Sparmaßnahmen
Bayer plant Abschied von der NYSE

Immer mehr große deutsche Konzerne ziehen sich von der New Yorker Börse zurück. Nach BASF und Eon kündigte am Mittwoch auch der Bayer-Konzern an, er werde das Delisting und die Deregistrierung bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC beantragen.

HB LEVERKUSEN. Die Anteilsscheine - American Depositary Shares (ADS) - des Bayer-Konzerns sollen voraussichtlich Ende September oder Anfang Oktober 2007 letztmalig an der NYSE gehandelt werden, teilte Bayer am Mittwoch mit. Insgesamt erwarte das Unternehmen durch den Rückzug von der NYSE jährliche Einsparungen von etwa 15 Mill. Euro, wenn es nicht mehr den umfangreichen Berichtspflichten unterliegt, für die die SEC berühmt ist. Der Handel mit Papieren von BASF und Eon dürfte in New York sogar schon in dieser Woche beendet werden.

Andere in New York notierte Dax-Konzerne wie Siemens, Daimler-Chrysler, die Deutsche Bank und die Deutsche Telekom betonten dagegen bei einer AP-Umfrage, bei ihnen gebe es keine Pläne für einen Rückzug von der New York Stock Exchange (NYSE). Insgesamt sind derzeit noch elf Dax-Konzerne an der NYSE notiert. Dazu gehören auch der Versicherungskonzern Allianz, der Dialyse-Spezialist Fresenius Medical Care, der Chip-Hersteller Infineon und der Software-Riese SAP.

Viele deutsche Großkonzerne hatten seit Anfang der 90er Jahre den Börsengang in den USA gewagt, weil sie sich davon ein größeres Interesse von US-Investoren und damit steigende Aktienkurse erhofften. Außerdem erwarteten einige der Konzerne, auf diese Weise leichter eigene Aktien als Akquisitionswährung bei Übernahmen in den USA einsetzen zu können. Zunehmend wurden in den vergangenen Jahren aber auch Klagen über die ausufernden Berichtspflichten laut.

Infineon: US-Aktionäre interessierter an Computerbranche

Dennoch hält die Mehrzahl der in New York notierten deutschen Konzerne nach wie vor an ihrem Engagement fest. Deutsche-Bank-Sprecher Ronald Weichert sagte auf AP-Anfrage, ein Rückzug von der New Yorker Börse sei für das größte deutsche Geldinstitut zur Zeit kein Thema.

Auch die Deutsche Telekom steht zur Notierung an der NYSE. Schließlich habe der Konzern eine recht große Anzahl von Aktionären in den USA, nachdem er die Übernahme des US-Mobilfunkanbieters VoiceStream mit 1,17 Mrd. eigenen Aktien bezahlt habe. "Diese Übernahme wäre ohne die Börsennotierung schwieriger gewesen", meinte der Sprecher.

Auch bei Siemens ist ein Delisting nach den Worten von Konzernsprecher Wolfram Trost "aktuell kein Thema". Siemens war 2001 an die New Yorker Börse gegangen, um den Konzern in den USA bekannter zu machen und Firmenübernahmen dort zu erleichtern. Heute beschäftigt Siemens in den USA 70 000 Mitarbeiter und erwirtschaftet 17,4 Mrd. Euro Umsatz. Das ist ein Fünftel des gesamten Konzernumsatzes, aber weniger als vor dem Börsengang in New York. Die US-Börsenaufsicht SEC nimmt derzeit nach ihren strengen Maßstäben die Korruptionsaffäre bei Siemens unter die Lupe.

Der Chiphersteller Infineon betont die Vorteile der Präsenz in New York. US-Aktionäre seien interessierter an der Computerbranche als deutsche Kapitalanleger. Außerdem sei Nordamerika ein Motor des Halbleitermarktes, das Handelsvolumen sei dort sehr hoch.

Der deutsche Softwareriese SAP hat ebenfalls keine Pläne sich von der US-Börse zurückzuziehen. Schließlich würden zur Zeit rund 20 Prozent des durchschnittlichen Tagesumsatzes bei SAP-Aktien an der NYSE gehandelt. Auch für Daimler-Chrysler ist ein Delisting trotz der Trennung von Chrysler derzeit kein Thema, ebenso wenig für Fresenius und die Allianz, wie es auf der vergangenen Hauptversammlung hieß.

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