Spekulation um Kleinfeld
Vorstandsumbau belastet Siemens-Aktie

Die mögliche Ablösung von Klaus Kleinfeld an der Siemens-Vorstandsspitze sehen Analysten und Marktteilnehmer kurzfristig als Belastung für die Siemens-Aktie. Die WestLB stufte die Aktie am Dienstag bereits herunter.

HB DÜSSELDORF/FRANKFURT. „Kleinfeld hat Siemens auf die Renditeziele hin getrimmt“, sagte Analyst Heino Ruland von Steubing. „Er ist die richtigen Schritte zur Verbesserung des Konzerns gegangen“. Entsprechend dürfte ein solcher Schritt bei den Investoren für Unsicherheit sorgen. Letztlich käme es aber darauf an, wer dann den Vorstandsvorsitz übernehmen werde.

Siemens-Aktien standen am Dienstag im Fokus der Dax-Anleger. An der Börse hieß es dazu zunächst nur, unter Kleinfeld habe sich der Aktienkurs gut entwickelt. Nachdem die Analysten der WestLB die Aktie auf „Add“ heruntergestuft haben, verloren Siemens-Titel etwas mehr als ein Prozent. Linde-Aktien drehten im Handelsverlauf ins Minus. Gegen 11 Uhr verlor die Aktie um 0,4 Prozent, nachdem sie zunächst gestiegen war. Offensichtlich würde die Berichte ernst genommen, nach denen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann Thomas Reitzle als neuen Siemens-Chef favorisiere, hieß es bei Marktteilnehmern. Technisch unterstützt seien die Titel um 78 Euro.

„Die Frage, die man sich stellt, ist, weswegen soll der Kleinfeld ausgewechselt werden? Hat er Dreck am Stecken? Eigentlich hat er doch einen guten Job gemacht; kapitalistisch gesehen war auch Benq voll in Ordnung“, sagte ein Frankfurter Aktienhändler am Vormittag. Kleinfeld „war ja eigentlich der Garant dafür, dass die Restrukturierung voran geht – und jetzt ist eben die Unsicherheit, wer der Nachfolger wird, wenn es denn so kommt“, sagte ein anderer Börsianer. Einem weiterem Händler zufolge wäre ein solcher Wechsel für beide Unternehmen negativ.

Auch die Investmentbank Morgan Stanley warnte vor einem Wechsel an der Siemens-Spitze: „Wir glauben ganz klar, dass eine Ablösung Kleinfelds deutlich negative Folgen auf den Kurs der Siemens-Aktie hätte.“

Hinter den als möglichen Kleinfeld-Nachfolger gehandelten Linde-Chef Wolfgang Reitzle stellte Analyst Heino Ruland ein Fragezeichen. „Nach der erfolgreichen Umstrukturierung bei Linde dürfte er erst die Früchte seiner Arbeit einfahren wollen“, sagte der Aktienstratege. Ein Schnellschuss wäre bei Siemens im Falle einer Nichtverlängerung für Kleinfeld aber ohnehin nicht zu erwarten. Bevor der designierte Aufsichtsrats-Chef Gerhard Cromme seinen Posten in der nächsten Woche nicht angetreten und sich eingearbeitet habe, sei diesbezüglich keine Entscheidung zu erwarten.

Siemens schweigt zu Spekulationen

Der Siemens-Konzern schwieg am Momntag zunächst zu den Gerüchten um eine mögliche Trennung von Vorstandschef Klaus Kleinfeld. „Spekulationen können wir grundsätzlich nicht kommentieren“, sagte ein Sprecher am Dienstag in München. Die „FTD“ hatte berichtet, maßgebliche Aufsichtsräte seien auf der Suche nach einem Nachfolger Kleinfelds. In Branchenkreisen wurden diese Spekulationen als „nicht unplausibel“ bezeichnet, eine Bestätigung gibt es aber nicht. Bisher galt als sicher, dass Kleinfelds Vertrag auf der Aufsichtsratssitzung an diesem Mittwoch (25. April) verlängert wird.

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Die WestLB senkte ihre Einstufung der Siemens-Aktien von Buy auf Add und nannte als Kursziel 97 Euro. Diesen Schritt begründete Analyst Adrian Hopkinson auch mit den jüngsten Kursgewinnen. Allein in den vergangenen drei Wochen hatte das Plus 15 Prozent betragen - dadruch hatte sich die Siemens-Titel deutlich besser entwickelt als der Dax. Durch die Spekulationen um Kleinfeld könne die Unsicherheit an den Finanzmärkten erhöht werden, schrieb der Analyst. Das gegenwärtige Team werde als Treiber hinter den verbesserten Gewinnzahlen des Konzerns angesehen.

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