Spekulationen auf Aktienhüllen sind hochriskant
Die Hintertür zur Börse zieht viele Zocker an

Die Transaktionen gehen weitgehend ohne große Öffentlichkeit über die Bühne: Wenn am 18. März die Hauptversammlung der Reinecke & Pohl Sun Energy AG ihre Zustimmung gibt, dann wird kurze Zeit später an der Börse der Name der operativ nicht mehr tätigen BK Grundbesitz verschwinden und statt dessen Reinecke & Pohl auf dem Kurszettel stehen.

HB FRANKFURT/M. Gleiches könnte schon bald bei der in Liquidation befindlichen Aktie von German Brokers der Fall sein, die dann in Autowelt AG umbenannt wird. In beiden Fällen nutzen Unternehmen den noch vorhandene Börsenmantel einer nicht mehr existenten Gesellschaft, um auf diese Weise quasi durch die Hintertür an die Börse zu gelangen.

Für spekulativ veranlagte Anleger bieten die verborgenen Wechsel an der Börse die Chance auf Kurszuwächse von möglicherweise mehreren tausend Prozent – wenn sie rechtzeitig die Aktie eines insolventen und/oder operativ nicht mehr tätigen Unternehmens kaufen. Wird dessen Börsenmantel zu neuem Leben erweckt, weil ein potenzieller Börsenkandidat einsteigt, klettert die Aktie anschießend oft horrend.

Beispiele für wiederbelebte Börsenmäntel gab es in der Vergangenheit zur Genüge. Bekanntester Fall ist der Immobilien- und Beteiligungskonzern WCM. Die drei Buchstaben standen ursprünglich für Württembergische Cattunmanufactur, ehe der Börsenmantel des 1766 gegründeten Unternehmens vom Spekulanten Karl Ehlerding übernommen wurde. In einem anderen Fall stieg ab 1997 die Aktie des Brauhaus Amberg vom Penny Stock bis auf über 130 Euro, als aus ihr die Net.IPO AG wurde. Im Jahr 2001 war die Aktie nach Platzen des Börsenhypes aber wieder auf Penny-Stock-Niveau angekommen.

Die Schwierigkeit für den spekulativen Anleger liegt darin, eine zur Mantelspekulation geeignete Börsenhülle zu finden. Denn nicht jeder Börsenmantel eignet sich zur Spekulation. „Es gibt etwa hundert potenzielle Börsenmäntel in Deutschland. Nach langwieriger Prüfung sinkt die Zahl der geeigneten Kandidaten aber auf ein bis zwei Dutzend“, sagt Sam Winkel, Vorstand der Bremer Carthago Capital AG. Seine Gesellschaft handelt mit Börsenmänteln.

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