Spekulationen auf Fusion der beiden Wettbewerber in Chicago
Terminbörsen ringen um Platz eins

Der Kampf um die Vormachtstellung im weltweiten Terminhandel geht in die entscheidende Phase. Die Investoren wetten darauf, dass die beiden großen Terminmärkte in Chicago zusammengehen und die deutsch-schweizerische Eurex als bisherige Nummer eins ablösen.

NEW YORK. Die Spekulationen auf eine Übernahme der Terminbörse Chicago Board of Trade (CBOT) durch den Lokalrivalen Chicago Mercantile Exchange (CME) hat die Aktien der CME binnen einer Woche um zehn Prozent in die Höhe getrieben. Auslöser war die Mitteilung der CBOT, es seien mehrere „Interessensbekundungen“ eingegangen. Die Eurex, die den Terminbörsen in Chicago mit einer eigenen US-Tochter seit dem vergangenen Jahr Konkurrenz macht, wollte dazu nicht Stellung nehmen. Sie gab aber gestern offiziell bekannt, dass sie ihre Handelszeiten ab 21. November bis 22 Uhr verlängert, um so besser im US-Geschäft präsent zu sein.

Ein Zusammenschluss der beiden Terminbörsen in Chicago sei sinnvoll, sagte Analyst Richard Repetto vom US-Wertpapierhaus Sandler O'Neill. Er verweist auf die Ähnlichkeit beider Derivatebörsen, das Sparpotenzial bei einer Übernahme und die bestehende Kooperation. So übernimmt die CME bereits die Abwicklung und Verrechnung von CBOT-Transaktionen.

Allerdings steht der Zusammen-schluss noch keineswegs fest. „Wir prüfen Interessensbekundungen, die wir erhalten haben. Gleichzeitig fahren wir aber mit unseren Vorbereitungen für den Börsengang fort“, sagte eine CBOT-Sprecherin dem Handelsblatt. Sie bestätigte weder ein Kaufinteresse der CME noch Übernahmeofferten weiterer Interessenten. CME-Chef Craig Donohue sagte auf einer Veranstaltung in London zu den Gerüchten nur: „Man muss abwarten, was passiert.“

Die Spekulationen um die vor 157 Jahren gegründete älteste Terminbörse der Welt belegen den rasanten Wandel der Derivatebranche. Wo Bauern aus dem Mittleren Westen der USA einst ihre Getreideernte im Voraus verkauften, dominiert heute der elektronische Handel mit Derivaten (von einem Basiswert abgeleitete Investmentprodukte) auf US-Staatsanleihen. Die Umsätze im globalen Derivatehandel steigen seit Jahren mit zweistelligen Raten – weitaus schneller als im Kassahandel mit Aktien. Dahinter steckt die steigende Nachfrage von Investoren, die früher Direktanlagen in Aktien und Anleihen bevorzugten. Deshalb drängen auch traditionelle Aktienbörsen, Private-Equity-Firmen und selbst Investmentbanken in den Terminhandel.

Der Vormarsch des elektronischen Handels verstärkt zudem den globalen Börsenwettbewerb. So gründete die Eurex, eine Tochter der Deutschen Börse und der Schweizer SWX, im vergangenen Jahr die Eurex US in Chicago. Die US-Tochter gewann zwar bislang kaum Marktanteile von CME und CBOT, erhöhte aber den Konkurrenzdruck.

Als Kaufinteressent für die CBOT gilt neben der CME auch die europäische Börse Euronext. Deren Tochter Euronext-Liffe liefert bereits Software für den elektronischen Handel an der CBOT. In Presseberichten zählen zudem die Deutsche Börse AG, Private-Equity-Firmen und die New York Stock Exchange (NYSE) als mögliche Bieter. NYSE-Chef John Thain hatte im April die Übernahme der elektronischen Handelsplattform Archipelago angekündigt, mit der er in den Handel mit Optionen und Indexzertifikaten einsteigt.

Analystin Charlotte Chamberlain vom Wertpapierhaus Jefferies in Los Angeles schätzt, dass ein erfolgreicher Bieter den CBOT-Eignern eine Übernahmepräme von mindestens 30 Prozent auf den geplanten Emissionskurs bieten muss. Die CBOT nannte bereits eine Preisspanne von 33 bis 36 Dollar für ihr Parkettdebüt. Das entspräche einem Emissionswert von 1,8 Mrd. bis 1,9 Mrd. Dollar – und ergäbe samt Übernahmeprämie einen Kaufpreis von 2,3 bis 2,5 Mrd. Dollar.

Die CBOT hat nahezu eine Monopolstellung im Handel mit Termin-kontrakten auf US-Staatsanleihen mit zehn- und dreißigjähriger Lauf-zeit. Darüber hinaus handelt sie auch Kontrakte auf Getreidesorten, Reis, Soja, Edelmetalle und Aktienindizes.

Egal, ob die CBOT nun ihren Börsengang durchzieht oder ein Übernahmeangebot akzeptiert – ein Zurück zum nicht gewinnorientierten Verein von einst ist ausgeschlossen. Dafür sorgten die Mitglieder bereits im April, als sie die Umwandlung ihrer Terminbörse in ein gewinnorientiertes Unternehmen beschlossen.

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