Squeeze-Out
HRE-Anleger vor letztem Gefecht

Mit 32 Gegenanträgen zur außerordentlichen Hauptversammlung stemmen sich die Kleinaktionäre der Skandalbank Hypo Real Estate (HRE) noch einmal gegen den geplanten Zwangsausschluss. Den Squeeze-out werden sie bei dem Aktionärstreffen am kommenden Montag in München aber nicht mehr verhindern können. Einige hoffen aber noch auf einen Teilerfolg.

MÜNCHEN. "Das ist das letzte Aufbäumen", sagt Rechtsanwältin Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch nach der Vollverstaatlichung wird der Fall HRE die Gerichte in Deutschland aber noch über Jahre beschäftigen.

Zwar werden bei der für nur einen Tag angesetzten HRE-Hauptversammlung heftige Debatten bis in den Abend erwartet. Der Bund kann mit seiner 90-Prozent-Mehrheit den Squeeze-out aber in jedem Fall durchdrücken. Gegen den Entscheid wird es dann Anfechtungsklagen geben. "Das wird den Prozess aber nicht aufhalten", hieß es in Finanzkreisen. Die Eintragung werde unmittelbar nach der Hauptversammlung erfolgen.

Die Schutzvereinigung DSW will denn auch im Gegensatz zu anderen Aktionären auf eine Anfechtungsklage verzichten. "Wir konzentrieren uns auf das Spruchverfahren", sagt Anwältin Bergdolt. Hauptziel ist es, eine höhere Abfindung herauszuschlagen. Der Bund zahlt den verbliebenen Aktionären 1,30 Euro.

Mit ihren Gegenanträgen verfolgen die Aktionäre unterschiedliche Ziele. Eine Reihe von Anteilseignern bemängeln, die Zwangsabfindung falle zu niedrig aus - gerade angesichts der Erholung der Finanzmärkte in den vergangenen Monaten. Notfalls müsse sich der Bund das Geld von der alten Führung holen. "Die Hypo Real Estate ist nicht durch mein Verschulden in Schieflage geraten. Ich bitte deshalb, die Übeltäter zur Kasse zu bitten", schreibt ein Kleinaktionär. Andere Antragsteller lehnen den Squeeze-out komplett ab oder fordern - wie die DSW - ein Rückkaufrecht, wenn die Bank saniert ist.

HRE-Chef Axel Wieandt warb vor dem Aktionärstreffen noch einmal eindringlich um Verständnis für die Vollverstaatlichung. Diese sei die Voraussetzung für die weitere Liquiditätsunterstützung und Rekapitalisierung der Bank durch den Bund. "Denn der Bund hat seine Unterstützung an die Voraussetzung geknüpft, dass er die vollständige Kontrolle erlangt." Die Hypo Real Estate steckt noch in tiefroten Zahlen und benötigt nach Einschätzung in Finanzkreisen noch mindestens weitere sieben Mrd. Euro frisches Eigenkapital.

Barabfindung als schwacher Trost

Squeeze-out

Der Bund zahlt im Rahmen des Squeeze-out den verbliebenen Kleinaktionären eine Zwangsabfindung von 1,30 Euro je Aktie. Das ist noch einmal weniger als beim freiwilligen Übernahmeangebot, bei dem die umtauschwilligen Anteilseigner 1,39 Euro bekamen. Zum Vergleich: In der Spitze waren die HRE-Aktien einst 57 Euro wert. Wirtschaftsprüfer kamen zu dem Ergebnis, dass die 1,30 Euro nun angemessen sind. Der innere Wert liege sogar noch niedriger. Eine Chance auf eine Werterholung bestehe für die HRE aus eigener Kraft nicht.

Hoffnungswert

Dennoch lag der Börsenkurs zuletzt bei 1,50 Euro und damit über der vorgesehenen Barabfindung. Die Anleger hoffen, dass sie in einem Spruchverfahren noch einen Nachschlag bekommen. In diesem Verfahren können Minderheitsaktionäre die Abfindung gerichtlich überprüfen lassen.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%