Staat will Anteile privatisieren
Erster Börsengang macht Pariser Banken Lust auf mehr

Bis vor kurzem war das französische Telekomunternehmen Iliad allenfalls Branchenkennern ein Begriff. Seit Ende Januar ist die Mutter des Internet-Anbieters Free über Frankreichs Grenzen hinaus zumindest in Investmentbank-Kreisen bekannt. Denn Iliad legte in Paris ein gelungenes Börsendebüt aufs Parkett – das erste seit über einem Jahr.

PARIS. Die Aktie war 27fach überzeichnet und stieg am ersten Handelstag gleich um rund 30 Prozent. Insgesamt konnte das Unternehmen 95 Mill. Euro Kapital aufnehmen. „Der Börsengang von Iliad war von der Größe her eher unbedeutend, hat aber gezeigt, dass der Markt wieder für Neu-Emissionen aufnahmefähig ist“, urteilt Thierry Olive, bei BNP Paribas verantwortlicher Manager für Aktienmärkte. „Ich bin für dieses Jahr optimistisch in Bezug auf weitere IPOs in Frankreich“, sagt er. In der Summe rechnet der Experte allein beim Streubesitz mit einem Neuvolumen von bis zu fünf Mrd. Euro in diesem Jahr.

Sein Haus hat bereits einen Börsenkandidaten in der Pipeline: das Pharma-Labor Beaufour-Ipsen. Das Unternehmen macht rund 700 Mill. Euro Umsatz pro Jahr und erwirtschaftete im Jahr 2002 einen Nettogewinn von 77 Mill. Euro. Olive rechnet mit einem Marktwert von bis zu 2 Mrd. Euro. Neben BNP Paribas ist Goldman Sachs an den Vorbereitungen beteiligt.

Olives Optimismus teilt der Börsenbetreiber Euronext: „Rund zehn Unternehmen haben einen Antrag auf Erstnotierung gestellt“, sagte eine Sprecherin, acht davon streben ein Listing in Paris an. Zudem freut sich der Börsenbetreiber, dass in Brüssel mit dem Telekomunternehmen Belgacom gerade der größte Börsengang seit drei Jahren anläuft; die Kapitalisierung wird auf rund neun Mrd. Euro geschätzt.

Im Jahr 2003 gab es am Finanzplatz Paris faktisch keinen echten Börsengang. Die Statistik weist zwar insgesamt 22 neue Notierungen aus; doch dahinter verbergen sich Transaktionen wie die Abspaltung von Kesa Electricals von der britischen Gruppe Kingfisher und die Notierung des Stahlriesen Alcan nach der geglückten Übernahme des französischen Wettbewerbers Pechiney. In diesem Jahr wagt sich gleich eine ganze Reihe Börsenkandidaten aus der Deckung. Neben Beaufour-Ipsen strebt in diesem Jahr auch das Pharma-Unternehmen Bio-Mérieux die Erstnotiz an. Seinen Börsenwert taxieren Experten auf ein bis zwei Mrd. Euro.

Ein weiterer Aspirant ist die Schlumberger-Tochter Axalto, die Smart-Cards produziert. Nach Angaben aus Finanzkreisen bereiten die Deutsche Bank und die Société Générale diesen Börsengang vor. Weniger konkret sind die Börsenpläne von Neuf-Telecom. Nach Angaben eines Unternehmenssprechers haben die Aktionäre – 43 % hält die Gruppe des Großinvestors Louis Dreyfus – grundsätzlich den Gang an die Börse beschlossen, der Termin steht aber noch nicht fest.

Im Portfolio der France Télécom steckt ein besonders dicker Fisch: Der Ex-Staatsmonopolist hat gerade ein Angebot für die Minderheitsaktionäre seiner Web-Tochter Wanadoo gemacht. Damit der hoch verschuldete Konzern die Barkomponente dieser Übernahme einfacher finanzieren kann, will er die Tochter Pages Jaunes (Gelbe Seiten) an die Börse bringen. Ihr Wert wird von den Beraterbanken der France Télécom, BNP Paribas und ABN Amro, auf 3,95 Mrd. Euro geschätzt. Beide Häuser haben zwar Mandate für den Wanadoo-Deal, für den geplanten Börsengang der Pages Jaunes sind indes noch keine Aufträge an Emissionsbanken vergeben worden, heißt es in Pariser Finanzkreisen.

Das bessere Börsenklima und klamme Kassen locken einen weiteren großen Anteilsbesitzer aus der Reserve: den französischen Staat. Ende Februar kündigte das Finanzministerium an, bis zum Sommer einen Minderheitsanteil des Flugzeugmotorenherstellers Snecma an der Börse verkaufen zu wollen. Der Gesamtwert des Unternehmens wird auf fünf bis sechs Mrd. Euro geschätzt.

Auch der Autobahnbetreiber Sanef gilt als heißer Anwärter auf einen Börsengang. Allerdings sind auch westlich des Rheins Investoren nach drei Jahren Börsenkrise anspruchsvoller geworden. „Börsenkandidaten sollten mindestens 100 Millionen Euro Streubesitzvolumen bieten, um Liquidität im Handel sicherzustellen“, sagt BNP-Paribas- Experte Olive. Außerdem haben nach seiner Einschätzung nur reife Unternehmen mit erprobten Geschäftsmodellen eine Chance.

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