Staatlicher Eingriff
Aktienkurs von China Mobile sackt ab

Der Telekommunikationsmarkt in China steht vor einem umfassenden Umbau. Der Staat will die Markt beherrschende Stellung des größten chinesischen Mobilfunkunternehmens brechen. Das hat Konsequenzen für die Anleger - Goldman hat bereits reagiert.

HB PEKING. Um den Wettbewerb zu erhöhen und die Stellung des größten chinesischen Mobilfunkunternehmens China Mobile zu brechen, sollen die sechs großen Telekommunikationskonzerne des Landes sich zu drei Gruppen zusammenschließen, wie am Samstag das Finanzministerium, das Industrie- und Informationsministerium und die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten.

Am Ende des Prozesses sollen drei Unternehmen stehen, die sowohl Festnetztelefonie als auch mobile Dienste anbieten. Zeitangaben oder finanzielle Details zu den Plänen wurden nicht mitgeteilt. Nach der Umstrukturierung will China drei Lizenzen für Mobilfunkdienste der dritten Generation vergeben.

Der Umbau zielt auf das Quasi-Monopol von China Mobile. Das Unternehmen ist mit nahezu 400 Mill. Kunden das weltgrößte Telekommunikationsunternehmen und hält in China einen Marktanteil von 70 Prozent. China Mobile soll nach den Plänen des Staates mit der Festnetzgesellschaft China Tietong Telecommunications Corp. fusionieren.

Die Auswirkungen auf den Wettbewerb sind bislang noch unklar. Einerseits erwarten Analysten eine Verschärfung der Konkurrenz für China Mobile. Andererseits gaben die bisherigen Verzögerungen bei der Restrukturierung des chinesischen Telekom-Marktes dem Quasi-Monopolisten die Möglichkeit, den beiden Festnetzgesellschaften weiter Kunden abzujagen und seinen Marktanteil auszubauen. Seit erste Anzeichen von Restrukturierungsplänen Ende 2007 aufgekommen sind, konnte China Mobile 30 Mill. neue Kunden gewinnen.

Am Aktienmarkt wird eine stärkere Beeinträchtigung des Geschäfts von China Mobile befürchtet. Die Aktien fielen am Montag an der Hongkonger Börse um über 8 Prozent auf 114,90 Hongkong-Dollar, während der Hang Seng Index nur um 2,4 Prozent nachgab. Belastet wurde der Kurs außerdem von einer Herabstufung durch Goldman die die Aktie nun mit "Verkaufen" empfiehlt und ein Kursziel von 105 Hongkong-Dollar auf Jahressicht setzen. Andere Analysten behielten ihre positiven Ratings bei.

Im Detail sieht der Plan vor, dass die Festnetzgesellschaft China Telecom Corp dass Telekom-Geschäft von China Satellite Communications Corp und das CDMA-Mobilfunkgeschäft von der China Unicom Ltd übernimmt. Diese wiederum soll dann ihr GSM-Geschäft mit dem Festnetzbetreiber China Netcom Group Corp zusammenlegen. China Unicom hatte Ende April 168,5 Mill. Kunden und ist nach Umsatz der zweitgrößte Mobilfunkbetreiber Chinas. Auf den CDMA-Bereich entfallen 43,1 Mill. Kunden, im GSM-Bereich bedient China Unicom 125,4 Mill. Kunden.

Die beiden neu entstehenden Rivalen im Mobilfunksektor - China Telecom und das Gebilde aus China Unicom und China Netcom - müssen mit Investitionen in Höhe mehrerer Mrd. Dollar beim Aufbau eigener Netze rechnen. Allerdings könnte gerade China Unicom von der Trennung von seiner schwächelnden CDMA-Sparte profitieren.

Andere Stimmen sagen einen Aufschwung der Festnetzgesellschaften voraus. Speziell China Telecom sollte mit dem Zugriff auf das Mobilfunkgeschäft beim Wachstum Fahrt aufnehmen können, so Steven Liu, Analyst bei DBS Vickers. Die Aktien der anderen börsennotierten Unternehmen - China Unicom, China Netcom und China Telecom - sind seit Freitag vom Handel ausgesetzt. Vor der Aussetzung hatten sie teilweise starke Kursgewinne verzeichnet.

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