Staatsanwaltschaft sieht sich massiven Vorwürfen ausgesetzt
Ackermann-Verteidiger erhöhen Druck

Im Mannesmann-Verfahren verschärft sich der Ton. Am deutlichsten wurden die Anwälte von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, die den Anklägern „grobe Irreführung“ und „verleumderische Beweisanträge“ vorwarfen und ein Dienstaufsichtsbeschwerde eingelegt haben.

HB DÜSSELDORF. „Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft steht in krassem Gegenteil zu den Grundregeln eines fairen Verfahrens“, heißt es in der am Mittwoch eingereichten Beschwerde. Die Staatsanwaltschaft lege es bewusst darauf an, das Ansehen des mächtigsten deutschen Bankiers zu beschädigen. Ackermann- Anwalt Eberhard Kempf warf den Anklägern „gravierenden Missbrauch des Rechtsstaates“ vor.

Hintergrund der Beschwerde ist der Vorwurf der Staatsanwälte, Ackermann habe als Leiter der Hauptversammlung der Mannesmann AG am 5. Juni 2000 den Aktionären verschleiern wollen, dass die Prämien an ehemalige Mannesmann- Manager mit einem Dividendenverzicht von Vodafone finanziert worden seien. „Dieser Vorwurf ist falsch“, sagte Kempf. Tatsächlich habe der Verzicht steuerliche Gründe gehabt. Das gehe eindeutig aus dem Protokoll der Hauptversammlung hervor. In dem Prozess um Abfindungen in Höhe von 111 Mill. D-Mark müssen sich neben Ackermann noch Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser, der ehemalige IG-Metall-Chef Klaus Zwickel sowie drei weitere Angeklagte wegen des Verdachts oder der Beihilfe zur Untreue verantworten.

Die Staatsanwaltschaft reagierte gereizt und sprach von einem „Pamphlet“. Ankläger Dirk Negenborn wunderte sich, dass der Staatsanwaltschaft in einem deutschen Gerichtssaal Rechtsbeugung vorgeworfen werde und kündigte an, dass sich die Ankläger entsprechende Schritte vorbehalten werden. Ein Sprecher des Justizministeriums kündigte gegenüber Reuters an, man werde die Staatsanwälte nach dem Eingang der Beschwerde um eine Stellungnahme bitten. „Auf das laufende Verfahren als solches hat das keinen Einfluss“, sagte ein Gerichtssprecher auf Anfrage. Eine Dienstaufsichtsbeschwerde werde immer dann bemüht, wenn man sich über ein persönliches Fehlverhalten beschweren wolle.

Esser-Anwalt Sven Thomas sagte, die Staatsanwaltschaft versuche, „das Gericht in gravierender Weise zu täuschen“. Er habe die Sorge, dass es der Staatsanwaltschaft nicht mehr um Aufklärung des Sachverhalts in der Hauptverhandlung, sondern um andere Ziele gehe. Der Anwalt von Jürgen Ladberg bezichtigte die Ankläger handwerklicher Fehler. Sein Mandant sei nicht über seine Rolle als Beschuldigter aufgeklärt worden. In beiden Fällen wehrten sich die Verteidiger gegen den Versuch der Staatsanwaltschaft, Vernehmungsprotokolle als Beweismittel zuzulassen.

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