Stärkere Kooperation in Osteuropa
Börse Budapest setzt auf Hilfe aus Wien

Nach ihrem quasi Zusammenschluss gehen die Börsen aus Budapest und Wien national und international in die Offensive.

BUDAPEST. „Wir wollen die Chancen der Region darstellen und die internationale Aufmerksamkeit erhöhen“, sagte Stefan Zapotocky, Präsident der Wiener Börse. Zsolt Horváth, Chef der Budapester Börse (BSE) sagte dem Handelsblatt, man werde die bisherige Strategie fortsetzen. „Wir wollen mehr Firmen an die Börse bringen und das Interesse der inländischen privaten und institutionellen Anleger erhöhen“, sagte er. Dem soll auch der am 1. Juni eingeführte Index Bumix für mittlere Gesellschaften dienen. Auch Analyst Ádám Farkas von der Budapester CIB-Bank erwartet, dass das Zusammengehen von Wien und Budapest das internationale Gewicht der Aktienmärkte erhöhen werde

.

Der Wiener Börsenchef Zapotocky kündigte an, bis 2008 wolle man eine gemeinsame Marktkapitalisierung der an den Börsen gelisteten Unternehmen von 100 Mrd. Euro erreichen. Budapest kommt zurzeit auf knapp 17 Mrd. Euro und Wien auf 50 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Die 30 Werte des Deutschen Aktienindex Dax haben zusammen eine Marktkapitalisierung von 541 Mrd. Euro.

Österreichische Investoren hatten vor zwei Wochen 66,2 Prozent an der Budapester Börse erworben. Die von Wien aus gesteuerte HVB Hungaria hält nun 25,2 Prozent, die Kontrollbank 14 Prozent und die Erste Bank und die Raiffeisen Zentralbank halten je 6,5 Prozent an der BSE. Weitere 14 Prozent liegen bei der Wiener Börse.

Durch den Zusammenschluss hat sich auch eine rege Debatte über die Zukunft der mittel- und osteuropäischen Aktienmärkte entwickelt. Diskutiert wird vor allem die Frage, ob kleinere Börsen wie Prag, Bratislava und Ljubljana allein überlebensfähig sind und ob nicht Warschau als alleiniges Zentrum der mittel- und osteuropäischen Aktienmärkte erhalten bleibe. Zoltan Réczy vom Brokerhaus Buda-Cash vertritt die Auffassung, dass die anderen kleinen Börsen der Region ähnlich wie Budapest vorrangig daran interessiert seien, mit westlichen Börsen zu kooperieren, weil derlei strategische Bündnisse am ehesten ihre Entwicklung fördern würden. „Es erscheint mir nicht realistisch, dass sich der Handel ausschließlich nach Warschau verlagert“, sagt Réczy. Kornél Sarkadi- Szábo von Raiffeisen Securities betont, neben der Strategie des Börsenmanagments sei vor allem der Druck westlicher Investoren entscheidend. „Ihr Interesse könnte die Börsen zu mehr Kooperation zwingen, weil ein fusionierter Markt effektiver wäre.“

Börsenchef Zsolt Horváth meint, für Budapest gelte auf jeden Fall, dass die einheimischen Firmen hier die größte Aufmerksamkeit, das größte Handelsvolumen und den höchsten Preis erzielen könnten. „Außerdem beträgt der Anteil der ausländischen Anleger am Budapester Geschäft fast 75 Prozent, was zeigt, dass sie hier professionelle Dienstleistungen und einen guten Preis bekommen“, sagt Horváth.

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