Stammtisch mit Dirk Müller: Die kühnen Theorien des Mr. Dax

Stammtisch mit Dirk Müller
Die kühnen Theorien des Mr. Dax

Der IWF hat sich verrechnet, in Griechenland ist die Demokratie gefährdet, die Inflation frisst alle Guthaben auf: Dirk Müller alias Mr. Dax zeichnet ein düsteres Bild von Euro-Land. Seine Zuhörer lieben ihn dafür.

DüsseldorfDirk Müller weiß, wie er Zuhörer in seinen Bann ziehen kann. Der Goldhändler Pro Aurum hatte den als Mr. Dax bekannten ehemaligen Börsenhändler zu einem Vortrag nach Düsseldorf geladen. Doch war der eigentliche Anlass der Veranstaltung, die Beschau der weltgrößten Goldmünze, am Ende Nebensache. Das 1,3 Millionen teure Edelmetall-Scheibe stand abseits neben dem Rednerpult, während Müller zwei Stunden lang mit Europa und der Welt abrechnete.

Europa stehe am Scheideweg, lautet Müllers Ausgangspunkt für alles, was nun folgen sollte. Die geopolitischen Machtachsen würden sich verschieben: Amerika kämpfe verbissen um den Dollar als tonangebende Währung, doch auch China, Russland und die Türkei wollten wirtschaftlich weiter aufsteigen. Die These des ehemaligen Börsenmaklers: „Nach der wirtschaftlichen kommt auch die politische Macht“. Doch tragisch für Europa: „Im Machtgerangel spielt unser Kontinent fast keine Rolle mehr“.

Schuld hat, das ist für Müller klar, der Euro. Die Gemeinschaftswährung war Deutschlands Preis für die Wiedervereinigung. Per Handschlag hätten der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und Frankreichs damaliger Staatspräsident François Mitterand vereinbart, die einzelnen Staaten Europas wirtschaftlich aneinander zu ketten. Kohl habe sich über den wirtschaftlichen Sachverstand hinweg gesetzt und einer gemeinsamen Währung aus politischer Raison zugestimmt.

„Kohl wusste, dass es falsch war, aber er hatte keine Wahl“, sagt Müller. Die einzelnen Euro-Länder vergleicht Müller mit tektonischen Platten, die sich – durch den Euro fest aneinander geleimt – ständig reiben würden. „Die Länderplatten bewegen sich, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zum nächsten gewaltigen Erdbeben kommt“. Was Müller meint: Die Leistungsfähigkeit der einzelnen Euro-Staaten passt nicht zur gültigen Währung im Land, dem Euro. Was passieren kann, zeigen einige Beispiele aus den vergangenen Jahren.

Die Schweizerische Nationalbank etwa, musste den Wechselkurs des Franken an den Euro koppeln: Im Zuge der Krise hatten Anleger in 2011 massiv Euro abgezogen und in der Eidgenossenschaft deponiert – die hohe Nachfrage ließ den Franken unnatürlich ansteigen. Fortan konsumierten die Schweizer lieber im Ausland, „ein BMW war plötzlich um ein Drittel billiger – eine einmalige Chance“, sagt Müller. Auch treue Schweiz-Urlauber verbrachten ihre Skiwochenenden nun lieber in Österreich. „Die Nachfrage im Inland brach doppelt weg und Schweizer Exportware konnte niemand mehr bezahlen“. Was aber für die Schweiz stimmt, trifft für Portugal und Griechenland ebenso zu.

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