Start in Deutschland bereits im Herbst
Deutschland bekommt vielleicht einen neuen "Neuen Markt"

Eine vor wenigen Wochen noch vage geäußerte Idee nimmt Konturen an: Voraussichtlich bereits im Herbst können Deutschlands Anleger mit der Wiederauflage eines Aktienmarktes für junge, innovative Unternehmen rechnen – ähnlich dem vor zwei Jahren eingestellten Neuen Markt.

HB FRANKFURT/M. Darauf deuten viele Aussagen der am Entscheidungsprozess Beteiligten hin. Zuletzt hatte als prominentester Vertreter das Deutsche Aktieninstitut (DAI) ein Börsensegment für junge Unternehmen gefordert. Zwar ist in dem Zusammenhang oft von einem „Neuen Neuen Markt“ die Rede. Allerdings dürfte der Name und der seiner Indizes Nemax und Nemax 50 zu negativ besetzt sein. Stattdessen deuten Gerüchte darauf hin, dass eine Nische im Freiverkehr geschaffen wird.

Konkret geht es um ein Fenster im gering reglementierten Freiverkehr, der bislang als Sammelplatz wenig transparenter Unternehmen gilt. Deshalb genießt das Segment bei den Anlegern keinen guten Ruf. Die Deutsche Börse hält sich zwar mit genauen Aussagen noch zurück, bestätigt aber, dass es Gespräche mit Unternehmen und Investoren gibt, um deren Interesse an einer neuen Nische auszuloten. Als Auslöser für die Pläne gilt unter Experten der Erfolg des Londoner Alternative Investment Market (AIM), der inzwischen fast zehn Jahre besteht und seither fast zweitausend Unternehmen angelockt hat.

Eines ist indes schon klar: Statt mehr Regeln – der Neue Markt hatte einst das strengste Regelwerk aller europäischen Handelsplätze – sollen es nun weniger Vorschriften sein. „Dass Reglementierung nicht alles ist, hat der Neue Markt eindrucksvoll bewiesen“, sagt der Münchener Emissionsberater Konrad Bösl. Er plädiert für geringere Anforderungen, die letztlich auch zu weniger Kosten für eine Börsennotiz führten. Unterstützung signalisieren auch zahlreiche andere Emissionsberater. Außerdem gebe es von Unternehmensseite bereits Nachfrage, berichtet Uwe Nespethal vom Beratungsunternehmen Blättchen. Allerdings soll die neu zu schaffende Freiverkehrsnische im Gegensatz zum einstigen Neuen Markt keine Börsengänge anziehen. „Dafür sind die strenger reglementierten Segmente des Prime und des General Standard wesentlich geeigneter“, sagt eine Börsensprecherin. Vielmehr verstehe man das neue Angebot als geeignet für einfache Börsenlistings, Privatplatzierungen und wiederbelebte Börsenmäntel. „Börsengang light“ nennt deshalb Uwe Nespethal das neue Projekt. In dem neuen Segment könne ein Unternehmen erst lernen, wie Börse funktioniert, ehe es sich eventuell anschließend über eine Kapitalerhöhung frisches Geld besorgt.

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