Start wahrscheinlich 2004
Börse Mailand will mehr kleine Unternehmen aufs Parkett locken

Die Borsa Italiana will künftig auch kleinen und mittleren Unternehmen eine Plattform für den Marktzutritt anbieten. Derzeit arbeitet der Chef der Betreibergesellschaft Borsa Italiana, Massimo Capuano, am Umbau des so genannten „Mercato Ristretto“.

MAILAND. Aus dem Segment mit relativ geringen Anforderungen, in dem sich heute in erster Linie kleine Banken tummeln, soll künftig ein Marktplatz für mittelständische Industrie- Firmen entstehen. Exakt jener Unternehmenstypus dominiert in Italien; Großkonzerne hingegen sind Mangelware. Nicht zuletzt aus diesen Gründen spiegelt der Mailänder Kurszettel mit lediglich 287 Gesellschaften nicht die Bedeutung der italienischen Volkswirtschaft – immerhin Europas viertgrößte – wider.

Um die Lücke zu weiter entwickelten Märkten, wie Deutschland oder Frankreich, zumindest teilweise zu stopfen, soll der bislang nur 14 Titel führende „Mercato Ristretto“ nach dem Vorbild des britischen AIM, in dem rund 700 kleinere Unternehmen notiert sind, umgebaut werden. Borsa Italiana hat in einer Studie 1 200 entsprechende Firmen ausgemacht, die theoretisch bereits heute fit wären für einen Börsengang. Gemeinsam kommen sie entsprechend der Berechnungen auf eine theoretische Kapitalisierung von rund 200 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Ende Mai lag der gesamte Wert der in Mailand gelisteten Gesellschaften bei 479 Mrd. Euro.

Als Minimalanforderungen für die Zulassung zum „Mercato Ristretto“ sollen die Alteigentümer künftig mindestens 10 % des Gesamtkapitals (bislang 20 %) verkaufen; außerdem muss der IPO ein Volumen von mindestens 750 000 Euro haben und die Marktbewertung der Gesellschaft soll nicht unter 1 Mill. Euro liegen. Die Kandidaten müssen in den letzten beiden Jahren vor dem Börsengang schwarze Zahlen geschrieben haben und sich den letzten Jahresabschluss von Wirtschaftsprüfern testieren lassen.

Capuano hofft, dass die notwendigen Prozeduren durch die Börsenaufsicht Consob bis zum Jahresende abgeschlossen sein werden und das neue Segment 2004 starten kann. Ob hierdurch schon bald eine neue IPO-Welle starten kann, gilt aber als unwahrscheinlich. Denn zu viele strukturelle Gründe gibt es in Italien, die für Unternehmen gegen eine Notierung sprechen. So operieren gerade kleinere und mittelgroße Gesellschaft vor allem wegen der überbordenden und ineffizienten Bürokratie sowie unattraktiven steuerlichen Rahmenbedingungen oft in der Schattenwirtschaft. Die bei einem Börsengang notwendige Öffnung der Bücher sowie das hohe Maß an Transparenz erscheinen den Eigentümern schnell als Nachteile, die durch die Vorteile des Zuganges zu den Kapitalmärkten kaum ausgeglichen werden können. Dennoch ist sich die „financial community“ in Mailand einig, dass der neue „ristretto“ durchaus Unternehmen anlocken kann, die einen Börsengang bislang nicht in Erwägung gezogen haben.

Soll das neue Mittelstandssegment den landesspezifischen Eigenarten – also der hohen Dichte von KMU's – Rechnung tragen, so hat Borsa Italiana jüngst auch Initiativen gestartet, die auf eine breitere Akzeptanz seitens internationaler Investoren abzielen. Zum Beispiel hat die Mailänder Börse im letzten Jahr einen „Corporate Governance Kodex“ verabschiedet, durch den die Transparenz und Fairness verbessert werden sollen. Um die Aufmerksamkeit angelsächsischer Investoren stärker auf Mailand zu lenken, soll künftig ein neuer Leitindex eingeführt werden, der stärker auf die Bedürfnisse dieser institutionellen Anleger ausgerichtet ist.

In diesen Monaten wird der in Zusammenarbeit mit der internationalen Agentur Standard&Poor's entwickelte S&P/Mib getestet. Der 40 Titel umfassende Index soll im nächsten Jahr den herkömmlichen Blue-Chip-Index Mib30 ablösen.

Aufnahmekriterien sind nicht mehr ausschließlich die Kapitalisierung der Gesellschaft sowie das Handelsvolumen des Papiers, sondern vor allem der Anteil des „free floats“ – also jener Aktien, die sich nicht im festen Besitz von Familien, Unternehmen oder dem Staat befinden. Das ist in Italien, wo sehr viele börsennotierte Unternehmen noch mehrheitlich in den Händen einzelner Investoren sind und echte „Public Companies“ Ausnahmen darstellen, von großer Bedeutung.

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