Steuer auf Aktiengeschäfte um ein Drittel erhöht
Peking lässt Luft aus Börsenblase

Chinas Regierung geht entschlossener gegen die drohende Blase an den Aktienmärkten vor. Peking hat dazu am Mittwoch mit sofortiger Wirkung die Stempelsteuer auf Wertpapiergeschäfte verdreifacht, um die anhaltenden Spekulationskäufe chinesischer Kleinanleger zu stoppen – und für einen Kursrutsch gesorgt.

PEKING/SCHANGHAI. China erlebt seit Wochen eine ungebremste Börsen-Begeisterung. Anfang der Woche überschritt die Zahl der Aktiendepots die 100-Millionen-Marke. Am manchen Tagen werden mehr als 300 000 Depots eröffnet. Die Behörden in der Volksrepublik wollen eine Überhitzung des Marktes verhindern. Ein Börsencrash könne zu sozialen Unruhen führen, hat etwa Analyst Andy Xie gewarnt, da vor allem Kleinanleger ihr Geld verlieren würden.

„Die Regierung unternimmt nun wirklich etwas, um die Spekulation zu stoppen und eine Überhitzung zu vermeiden“, meint Li Xuewen von at Invesco Great Wall Fund Management an Chinas zweiten Börsenplatz in Shenzhen. Nach Angaben der Behörden zocken inzwischen Hausfrauen, Studenten und Rentner mit ihrem Ersparten an Chinas Börsen.

Allerdings liegt die Aktionärsquote in China noch deutlich unter der in Deutschland. Schätzungen gehen davon aus, dass zwischen vier und zehn Prozent der 1,3 Milliarden Chinesen bereits Aktionäre sind. In Deutschland, eher als „Aktienmuffel“ bekannt, liegt die Quote nach Angabe des Deutschen Aktieninstituts bei 16 Prozent.

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Analyst Jun Ma von der Deutschen Bank in Hongkong, sieht die Steuererhöhung als bisher ernsthaftesten Schritt der Regierung in Peking, Luft aus Chinas Aktienblase zu lassen. Die Erhöhung der Steuer von 0,1 auf 0,3 Prozent wurde vom Finanzministerium über die staaliche Nachrichtenagentur Xinhua verbreitet. Die Stempelsteuer müssen Käufer sowie Verkäufer von Aktien gleichermaßen entrichten.

Die Experten halten nun eine Kurskorrektur von bis zu 30 Prozent für möglich. Das letzte Mal hatte die Regierung in Peking die Stempelsteuer im Mai 1997 um zwei Zehntelprozentpunkte erhöht. „Danach folgte in den kommenden Monaten eine Korrekur bei den A-Shares um 30 Prozent“, so Analyst Ma.

Ein Volkswirt der Deutschen Bank sagte, dass die Regierung in Peking einen Rückgang von 15 bis 20 Prozent an den heimischen Aktienmärkten als Ziel ins Auge genommen hat. Sollte die Maßnahme wirkungslos verpuffen, werde die Regierung wahrscheinlich mit weiteren Steuererhöhungen reagieren.

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