Stresstest für Banken
EZB mahnt zur Vorsicht an den Finanzmärkten

Die Risiken für die Finanzmarktstabilität sind nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank gewachsen. Unsicherheit herrscht beispielsweise über den Ursprung der hohen Liquidität. Banken sollen sich mit einem Stresstest wappnen, denn sie könnten unverhofft ungewöhnlich hohen Herausforderungen begegnen.

mak FRANKFURT. Die Risiken für die Finanzmarktstabilität sind gewachsen, obwohl sich das Finanzsystem des Euro-Raums im vergangenen Halbjahr solide entwickelt hat. Zu diesem Ergebnis kommt der neue „Financial Stability Review“ der Europäischen Zentralbank (EZB), den ihr Vizepräsident, Lucas Papademos, am Freitag vorgestellt hat. Durch unerwartete Veränderungen der globalen Liquidität oder unvorhergesehene Entwicklungen an den Kreditmärkten könnten neue Herausforderungen für die Finanzmärkte entstehen, hieß es. Der Bericht wird halbjährlich in Zusammenarbeit mit dem bei der EZB angesiedelten Ausschuss für Bankenaufsicht (BSC) erstellt, in dem die Notenbanken und Aufsichtsbehörden der EU vertreten sind.

„Dass sich das globale und das europäische Finanzsystem bisher gegenüber einer Reihe von Störungen als widerstandsfähig erwiesen haben, ist zwar beruhigend, aber kein Anlass zur Selbstzufriedenheit“, sagte der EZB-Vize. Die Schwankungen an den Märkten seien relativ schwach gewesen und in einem Umfeld starker makroökonomischer Fundamentaldaten und ausreichender Liquidität aufgetreten. Sie erlaubten keine Rückschlüsse darauf, wie die Finanzmärkte zu einem weniger günstigen Zeitpunkt im Kreditzyklus auf einen größeren Schock reagieren würden.

Papademos räumte Unsicherheiten über den Ursprung der seit 2004 hohen Liquidität an den Finanzmärkten ein. Möglicherweise sei sie eine Folge struktureller Veränderungen wie der Liberalisierung der internationalen Kapitalströme oder der Entwicklung neuer Finanzinstrumente. Die hohe Liquidität spiegele vielleicht aber auch einen exzessiven Risikoappetit der Anleger wider. Wenn das Risikobewusstsein plötzlich zunehmen würde, könnte sich die Liquidität abrupt verknappen. Die Banken könnten sich dann unverhofft ungewöhnlich hohen Risiken gegenüber sehen, warnt der Bericht.

Unbehagen äußern die für die Finanzstabilität Verantwortlichen auch im Hinblick auf die rasch gestiegene Verschuldung in Teilen des Unternehmenssektors. Vor allem im Zusammenhang mit Unternehmensübernahmen (LBOs) hätten die Banken in erheblichem Umfang Kreditrisiken in andere Bereiche des Finanzsystems verschoben. Dieses Modell, Kredite zu gewähren und weiterzureichen, sei in einem günstigen Marktumfeld möglich gewesen. Es sei aber keineswegs klar, wie die einzelnen Beteiligten in einem solchen Prozess betroffen sein würden, wenn es an den Kreditmärkten zu Anspannungen kommt.

Unverändert sehen die Stabilitätshüter das Risiko einer plötzlichen Auflösung der globalen Ungleichgwichte. Sollte es dazu kommen, wäre das eine große Herausforderung für das Risiko-Management der großen Finanzinstitute und ihre Fähigkeit, Verluste zu absorbieren. „Die Institute sollten sich darauf vorbereiten, potenzielle Störungen durch ein angemessenes Risiko-Management abzumildern“, riet Papademos. „Das schließt Stresstests und die sorgfältige Überwachung der Finanzkraft der Gegenparteien ein.“

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