Studien
Nachhaltige Unternehmen meistern Krise besser

Nachhaltig wirtschaftende Unternehmen stehen in der Krise deutlich besser da. Das ergab eine Studie der Topmanagementberatung A.T. Kearney, die dem Handelsblatt vorliegt. Eine Untersuchung der Unternehmensberatung Mercer bestätigt diesen Trend.
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BERLIN. Den Berechnungen von A.T. Kearney zufolge sind in zwölf von 16 Branchen die durchschnittlichen Kapitalkosten nachhaltig ausgerichteter Unternehmen deutlich niedriger als die der nicht-nachhaltigen Konkurrenz. Der Vorsprung nachhaltig wirtschaftender Unternehmen beträgt bis zu 2,9 Prozentpunkte, vor allem in Industrien mit hohem Energiebedarf wie Bau, Versorger, Fluglinien, Chemie und Transport. Die 15 größten nicht-nachhaltigen Unternehmen der zwölf Branchen haben summa summarum 33 Mrd. Euro höhere Kapitalkosten als ihre nachhaltigen Wettbewerber.

"Unsere Kapitalkostenanalyse belegt, dass nachhaltige Unternehmen meist eine bessere mittelfristige wirtschaftliche Perspektive und ein geringeres Geschäftsrisiko aufweisen", sagt Dietrich Neumann, Zentraleuropachef von A.T. Kearney. Die Kapitalkostenvorteile in konsumentennahen Branchen wie Pharmazie, Handel, Haushaltswaren, Telekommunikation und Ernährung betragen immerhin 0,5 Prozentpunkte.

Verglichen wurden 121 Firmen aus dem Dow Jones Sustainability Weltindex (DJSI) mit 186 als nicht-nachhaltig geltende Börsenkonzerne, für die ausreichend Daten zu den gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten vorlagen. Bei der Autobranche gab es überraschend keine Unterschiede und auch nicht in den Branchen Ernährung und Versicherungen.

In der Wirtschaftskrise schlägt sich die bessere Position im laufenden Geschäft und bei Investitionsmöglichkeiten auch in den Aktienkursen nieder. Als die Börsen im Spätsommer 2008 kollabierten, sackten die Kurse der nachhaltigen Unternehmen deutlich weniger ab: Bis zum Jahreswechsel verloren ihre Aktien durchschnittlich 43 Prozent an Wert, während die nicht-nachhaltiger Firmen fast die Hälfte ihrer Marktkapitalisierung einbüßten. Von Juni 2008 bis Juni 2009 lagen die nachhaltigen Unternehmen durchgängig um sieben Prozentpunkte vorne.

"Die Kapitalmärkte trauen nachhaltigen Unternehmen offenbar eher zu, die Krise zu meistern", sagt Otto Schulz, Mitglied der Geschäftsleitung von A.T. Kearney und Autor der Studie. Dabei gehe Nachhaltigkeit weit über Umweltfreundlichkeit hinaus. Neben verantwortungsvollem, sparsamem Ressourceneinsatz seien erfolgreiche Managementmethoden, Fairness gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Zulieferern sowie Transparenz von großer Bedeutung. Davon profitierten bei ihren Aktienkursen vor allem Banken, Bekleidungs- und Modefirmen, Lebensmittelhersteller, Einzelhandelsgruppen sowie Pharma- und Chemieunternehmen.

Eine Studie der Unternehmensberatung Mercer bestätigt den Trend: Die meisten wissenschaftlichen Forschungen seit 2007 zeigen positive Zusammenhänge zwischen der Beachtung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekten (ESG) und der Finanzperformance von Kapitalanlagen. Eine Integration von ESG-Aspekten in Aktienanalyse und Anlageentscheidungen wirke sich positiver aus als Ausschlusskriterien, heißt es. Die Resultate hingen aber auch von Branchen, Investmentstilen, Zeithorizonten und Managerfähigkeiten ab.

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