Stühlerücken im Deutschen Aktien-Index
Conti hofft auf Comeback in die Börsen-Bundesliga

Ein solches Comeback wäre noch keinem Unternehmen in Deutschland geglückt: Der Reifenhersteller und Automobilzulieferer Continental könnte am Dienstag nach sieben Jahren in den Deutschen Aktien-Index zurückkehren und damit ein Stück Börsengeschichte schreiben.

HB/dpa HANNOVER. Mit einem harten Sanierungskurs und einem Umbau des Konzerns hat Conti in den vergangenen Jahren Fahrt für die erste Börsenliga der 30 wichtigsten Unternehmenswerte aufgenommen. Falls die Deutsche Börse den Heidelberger Finanzdienstleister MLP aus dem Dax absteigen lässt, gilt Continental als Favorit auf den freien Platz. Schärfster Konkurrent ist der Internetdienstleiter T-Online.

1996 hatte der Reifenproduzent nach acht Jahren im Dax seinen Platz für die kapitalstärkere Münchner Rück räumen müssen und war in den MDax versetzt worden. Sieben Jahre später zeigt man sich bei Conti selbstbewusst. Das Unternehmen erfülle die Kriterien für die Aufnahme in den Dax eindeutig, sagt Finanzvorstand Alan Hippe. Und: „Wir haben mit guten Zahlen auf uns aufmerksam gemacht.“

Erst Ende Juli hatte Vorstandschef Manfred Wennemer die Erwartungen nach einem Gewinnsprung im ersten Halbjahr nach oben geschraubt. Nach zuletzt 694 Mill. € will der viertgrößte Reifenhersteller der Welt in diesem Jahr einen satten operativen Gewinn von mehr als 700 Mill. € einfahren.

Die Zahlen sind Ergebnis eines harten Sanierungskurses, den Wennemer nach seiner Amtsübernahme im September 2001 eingeschlagen hatte. 2001 war Conti wegen der schwachen Autokonjunktur sowie hoher Schulden durch Zukäufe in tiefrote Zahlen gerutscht. Die Dividende für die Aktionäre wurde gestrichen. Unter dem sachlichen Mathematiker Wennemer nahm Conti Restrukturierungs-Kosten von rund 450 Mill. € in Kauf und schloss fünf Werke im In- und Ausland. Zudem wurde Produktion in Billiglohn-Länder vor allem in Osteuropa verlegt.

Unter Wennemer erntete Conti zudem die Früchte für den bisweilen schmerzhaften Umbau des Konzerns, der bereits Mitte der 90er Jahre begonnen worden war. Durch Zukäufe baute Conti sich mit der Fahrzeugelektronik ein neues Standbein auf. Die Strategie, Conti vom reinen Reifenhersteller zu einem breiter aufgestellten internationalen Automobilzulieferer auszubauen, sei „richtungsweisend“ gewesen, sagt Wennemer im Rückblick.

Mit der Fahrzeugelektronik - wie dem Antiblockiersystem (ABS) und den Elektronischen Stabilitätsprogrammen (ESP) - verdient Conti heute das meiste Geld: Im ersten Halbjahr 2003 legte das operative Ergebnis der Sparte Automotive Systems von 149 Millionen auf 186 Millionen Euro zu. Mit einem Anteil am Gesamtumsatz von 42 Prozent liegt die Automotive Systems vor Pkw-Reifen (32 Prozent), Nutzfahrzeug-Reifen (10 Prozent) und ContiTech (16 Prozent), dem klassischen Nichtreifengeschäft. Dazu gehören unter anderem technische Schlauchleitungs-Systeme, Luftfedern für Nutzfahrzeuge und Antriebssysteme. Der Konzernumsatz lag 2002 bei 11,4 Milliarden Euro.

Mit Automotive Systems ist Conti zudem unabhängiger von der Lage der Autohersteller geworden. Diese Sparte hängt laut Wennemer nicht direkt an den Autoproduktionszahlen, weil die Ausrüstungsrate mit elektronischen Systemen stetig steigt.

Finanzvorstand Hippe hofft, die Conti-Strategie werde bei einer Dax-Aufnahme vor allem international noch stärkere Beachtung finden als schon bisher, „zum Beispiel bei Anbietern von Index-Fonds“. Problemlos ist die Lage aber auch beim Dax-Kandidaten Conti nicht: Noch immer sitzt das Unternehmen auf einem großen Schuldenberg - bedingt vor allem durch die Zukäufe der Vergangenheit. In den ersten sechs Monaten 2003 wurden die Schulden aber weiter um 625 Millionen auf 2,06 Milliarden Euro reduziert. Sorgen beim operativen Geschäft macht derzeit wegen der schwachen Konjunktur vor allem das Reifengeschäft in Nordamerika.

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