Südafrika
Rohstoffpreise belasten Börse in Johannesburg

Die südafrikanische Börse hat in den letzten vier Wochen schwere Rückschläge hinnnehmen müssen. Grund dafür sind die schwächeren Rohstoffpreise und der anhaltend starke Rand, der die Kurse drückt. Die Wirtschaft leidet sehr unter der Krise, die Exporte gingen im ersten Quartal so stark zurück wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen 1960.

KAPSTADT. Wie die rohstofflastigen Börsen in Australien und Kanada hat auch die Johannesburger Börse (JSE) in den vergangenen vier Wochen kräftig Federn gelassen. Verantwortlich für den Rückschlag waren schwächere Rohstoffpreise und der feste Rand, der vergangene Woche mit 10,85 Rand je Euro zeitweise auf seinen besten Wert seit 18 Monaten kletterte. Gegenüber dem Dollar stieg die südafrikanische Währung auf ein Zehnmonatshoch. So erhöhten sich die Produktionskosten der Rohstoffförderer am Kap, die ihre Einkünfte vorwiegend in Dollar erwirtschaften.

Nur vorübergehend Impulse verschaffte den Rohstofftiteln die Ankündigung der Übernahmepläne von Xstrata. Der im schweizerischen Zug ansässige Konzern schlägt dem britisch-südafrikanischen Konkurrenten Anglo American eine Fusion vor. Daraus entstünde ein neue Weltmarktführer für die Förderung von Industriemetallen wie Zink und Kupfer, aber auch von Kohle. Anglo lehnt die Offerte ab. Vieles deutet auf einen längeren Übernahmekampf hin, Xstrata wirbt nun um die Gunst von Anglos Großaktionären.

Gegenwärtig ist der am Kap zweitnotierte Minenriese BHP Billiton mit einer Marktkapitalisierung von rund 440 Mrd. Rand (40 Mrd. Euro) das am höchsten bewertete Rohstoffunternehmen an der JSE. Der Konzern rangiert damit auf dem zweiten Platz aller in Johannesburg notierten Unternehmen. Wertvoller ist nur der Tabakkonzern British American Tobacco. Er ist seit Mai an der JSE gelistet, nachdem der von der südafrikanischen Familie Rupert kontrollierte Luxusgüterkonzern Richemont seine Beteiligung an BAT an seine Aktionäre verteilt hat.

Wie sehr die südafrikanische Wirtschaft unter dem weltweiten Abschwung leidet, verdeutlicht der Rückgang in der verarbeitenden Industrie am Kap, wo sich im April der Ausstoß gegenüber dem Vorjahresmonat um 21,6 Prozent verringerte. Die Exporte gingen im ersten Quartal im Vergleich zum Vorquartal sogar um 55 Prozent zurück - der größte Absturz seit Beginn der Aufzeichnungen 1960.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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