S&P-Analysten über ihre Ratings
„Wir würden auch Deals von Kühen bewerten“

Die Ratingagenturen sind in die Kritik geraten. Zu mächtig und völlig unberechenbar, lauten die Vorwürfe. Ein aktueller Gerichtsprozess lässt erahnen, wie die Rating-Analysten wirklich arbeiten. Oder auch nicht.
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New YorkDie Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's müssen sich einer Klage wegen Betrugs stellen. Das hat ein Gericht in den USA entschieden. Dabei geht es um Vorwürfe von Investoren, die Ratingagenturen hätten Wertpapiere von Morgan Stanley mit künstlich aufgeblähten Bonitätsnoten ausgezeichnet. US-Richterin Shira Scheindlin wies einen Vorstoß von S&P und Moody's zurück; die Ratingagenturen hatten versucht, die Klage doch noch abzuwenden.
Die Klage war bereits 2008 von Investoren wie etwa der Abu Dhabi Commercial Bank aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Landkreis King County im US-Bundesstaat Washington eingereicht worden. Es geht dabei um ein Investment-Vehikel mit der Bezeichnung “Cheyne”. Die Kläger werfen den Ratingagenturen vor, auf Druck von Morgan Stanley hin Cheyne fälschlicherweise mit einer Bonitätsnote der Güteklasse “Investment Grade” ausgezeichnet zu haben.

Nach Ansicht von Richterin Scheindlin verfügen die Investoren über ausreichend Beweise, um den Fall gerichtlich zu behandeln. Sie verwies dabei auf Instant-Messages-Nachrichten, die zwei S&P-Analysten austauschten, nachdem Cheyne platziert worden war. Es müsse gerichtlich entschieden werden, ob sich diese Nachrichten auf Cheyne bezogen der nicht, erklärte die Richterin.

In besagten Nachrichten war Folgendes zu lesen: “Dieser Deal ist lächerlich”, schrieb einer der Analysten und fügte hinzu: “Wir sollten ihn nicht bewerten”. “Wir bewerten jeden Deal”, antwortete der zweite Analyst. Er könnte von Kühen zusammengestellt worden sein und wir würden ihn bewerten”, erklärte daraufhin wieder der erste Analyst.
Selbst wenn sich dieser Nachrichten-Wechsel nicht auf Cheyne bezogen habe, so könne daraus doch darauf geschlossen werden, dass S&P Bonitätsnoten ausgegeben habe, von deren Richtigkeit die Ratingagentur selbst nicht überzeugt gewesen sei, sagte die Richterin.

Die Ratingagenturen sind zuletzt heftig in die Kritik geraten. Wegen ihrer Urteile, aber auch wegen der jüngsten Preisanhebung. Nach der deutschen Industrie beschweren sich jetzt auch die heimischen Banken über die Gebührenerhöhungen der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). Die betroffenen Institute hielten diese „intransparente Preisanhebung“ für inakzeptabel, heißt es in einem Reuters vorliegenden Brief der Deutschen Kreditwirtschaft an die US-Bonitätswächter.

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Kommentare zu " S&P-Analysten über ihre Ratings: „Wir würden auch Deals von Kühen bewerten“"

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  • Es ist nicht zu erkennen, dass Ratings irgendwelchen volkswirtschaftlichen Nutzen haben. Kenne auch keine Faelle in denen eine Rating Agentur rechtzeitig gewarnt haette (Dotcom, Subprime, Enron und viele viele andere !!) Ausserdem verursachen die Ratings eine Aushebelung der Marktkraefte weil sie Trends verstaerken, da sich bei den institutionellen Investoren kein Risikomanager traut wirklich gegen die Ratingagenturen zu argumentieren. Ich denke, dass man dem am besten entgegenwirken kann indem man die Anforderungen an Investitionen mit Investmentgrade oder aehnlichem einfach aus allen Gesetzen streicht und streng ueberprueft dass Banken, Versicherungen, Fondsmanager etc., echte eigene Analysen erarbeiten und nicht die Agencies kopieren, was ueblicherweise der Fall ist (habe 20 Jahre bei einer Bank gearbeitet).
    Es ist wie immer wenn eine Unterschrift eines normal bezahlten Angestellten viel Geld wert ist. Korruption und Erpressung sind dann natuerlich Tuer und Tor geoeffnet.

  • „Wir würden auch Deals von Kühen bewerten“

    Natürlich ist jeder Kuhfladen systemrelevant, also Triple-A. Mein Reden seit langem. ;)

  • Der Skandal ist daß

    * kein deutscher Staatsanwalt die Rating-Betrüger anklagt,

    * der Bundesinnenminister diese kriminellen Vereinignungen noch nicht verboten hat,

    * die hirnamputierten Bankster diese Verbrecher weiterhin bezahlen.

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