Szenarien um Porsche und Volkswagen
VW-Stammaktien droht das Aus

Sobald Porsche 75 Prozent an VW hält, steigt der niedersächsische Autobauer aus dem Dax ab - im Herbst könnten dann die VW-Vorzugsaktien in die erste Börsenliga aufsteigen.

FRANKFURT. Unter Börsianern kursiert seit Tagen ein mögliches Szenario: Irgendwann in der kommenden Nacht oder am Wochenende wird die Meldung veröffentlicht, dass der Autobauer Porsche sein Ziel erreicht hat und 75 Prozent der Stammaktien von Volkswagen hält. Die Deutsche Börse wäre dann innerhalb von zwei Handelstagen gezwungen, die Aktien aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) zu nehmen. "Der Fall kann theoretisch morgen schon eintreten", sagt Christian Stocker von Unicredit. Am Aktienmarkt kursieren deshalb seit Tagen Szenarios, was dabei alles passieren könnte, sind doch die möglichen Konsequenzen enorm.

Hauptgrund dafür ist eine im Herbst geänderte Vorschrift der Deutschen Börse. Für die Mitgliedschaft im Dax wurde das Mindestmaß an frei handelbaren Aktien (Free Float) von fünf auf zehn Prozent nach oben gefahren. Weil das Land Niedersachsen 20 Prozent der VW-Stämme und Porsche dann 75 Prozent halten würden, wäre deren Free Float weit darunter. Nach zwei Handelstagen, in berechtigten Fällen erst nach bis zu zehn Tagen, muss dann ein Nachfolger her. Im gegenwärtigen Fall wäre das der Bonner Solarplatten-Hersteller Solarworld, gefolgt vom Bochumer Industriekonzern Gea. "Die Anhebung der Schwelle stellt eine wesentliche Maßnahme zur Sicherung von Liquidität in den Indizes dar", begründete Hartmut Graf von der Deutschen Börse damals die verschärften Free-Float-Vorschriften.

Die VW-Stammaktie hätte damit aber nicht nur im Dax das Ende vor Augen. Auch im für die EuroZone maßgeblichen Index Euro Stoxx 50 müsste sie ihren Platz innerhalb von zwei Handelstagen räumen. Den würde dann nach aktuellem Stand der Bier-Konzern Anheuser-Busch einnehmen.

Ein Kuriosum könnte sich im Dax aber im September ergeben, wenn die VW-Vorzugsaktie Chancen hat, in die Eliteklasse aufzusteigen. Dass VW-Stämme jetzt schon durch VW-Vorzüge ersetzt werden, ist dagegen nicht möglich. Die Vorschriften der Deutschen Börse besagen, dass nur eine Aktie in den Dax aufrücken kann, wenn sie auf der aktuellen "Selection List" steht. Darauf kommt bei zwei Aktienklassen wie hier jedoch nur die größere oder liquidere. "VW-Vorzüge kommen erst dann auf die Liste, wenn VW-Stämme im Monat vorher ersetzt worden sind", erklärt Christian Stocker.

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