Telekom-Aktie legt zu
Aktionärsschützer begrüßen Aus für Ricke

Auf der Seite der Kleinaktionäre ist der Rücktritt des Konzernchefs auf große Gegenliebe gestoßen, und auch an der Börse wurde der Chefwechsel positiv aufgenommen. Die T-Aktie gehörte zu den größten Gewinnern im Dax.

HB DÜSSELDORF. Börsianer begründeten die Nachfrage nach der T-Aktie mit dem Rücktritt von Vorstandschef Kai-Uwe Ricke am Wochenende. „Neue Besen kehren gut“, sagte ein Händler. Analysten wollten einen weiteren Kursanstieg im Tagesverlauf nicht ausschließen. Die Börse sei häufig bereit, solche Wechsel mit Vorschusslorbeeren zu garnieren, hieß es.

Das Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Reinhild Keitel, bezeichnete den Wechsel als konsequent. Durch die rasante Entwicklung im Festnetzgeschäft drohe die Telekom ihre Existenzgrundlage zu verlieren. Ricke habe darauf keine Antwort gefunden und nicht schnell und konsequent genug eingegriffen, sagte Keitel. Ricke habe zwar den Schuldenabbau der Telekom vorangetrieben, doch ihm sei es nicht gelungen, die Geschäftsstrategie des Konzerns weiterzuentwickeln.

» Die aktuellen Einschätzungen der Analysten zur Telekom-Aktie

Der Fall Ricke zeige auch, dass der Einfluss internationaler Finanzinvestoren in deutschen Unternehmen zunehme, weil diese entschlossener auf Veränderungen drängten als andere, sagte Keitel. Der US-Investor Blackstone, der seit Frühjahr 4,5 Prozent an der Telekom hält, könne härter vorgehen als der deutsche Staat als Hauptaktionär. Der Bund sei sicherlich zurückhaltender, wenn es etwa um weitere Einschnitte für die Beschäftigten gehe. „Von solchen Rücksichtnahmen ist ein Finanzinvestor frei“, sagte Keitel.

Für Rickes Abgang machten sich der Finanzinvestor Blackstone und der Bund stark, die mit seiner Führung nicht mehr einverstanden waren, wie eine mit den Vorgängen vertraute Person am Sonntag sagte. Blackstone habe schon im September auf einen Rauswurf von Ricke gedrängt, was Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel und der Bund aber abgelehnt hätten. Mittlerweile sei das Verhältnis zwischen Zumwinkel und Ricke aber merklich abgekühlt, hieß es. Auf einer inoffiziellen Sitzung des Aufsichtsrates nach der Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag habe Zumwinkel den Vorstandsvorsitzenden massiv kritisiert. „Da hat es richtig gekracht“, hieß es.

Keine Parallelen sieht die SdK, die vor allem Kleinanleger vertritt, zu dem ähnlich spektakulären Wechsel an der Spitze des Volkswagen-Konzerns vor wenigen Tagen. „Vorgründig ähneln sich bei Fälle. Die Hintergründe sind aber sehr unterschiedlich“, sagte Keitel.

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