Tendenz für 2007
Anleger verlieren Risikoscheu

Die beiden letzten bedeutenden Börsengänge (IPOs) in Deutschland in diesem Jahr, von Symrise und Open BC, geben die Tendenz für 2007 vor: Wachstumswerte sind wieder gefragt.

DÜSSELDORF / FRANKFURT. Der Verlauf der beiden letzten bedeutenden Börsengänge (IPOs) in Deutschland in diesem Jahr, von Symrise und Open BC, setzt deutliche Signale. Davon sind Investmentbanker auf Verkäufer- und Investoren auf Käuferseite überzeugt. Der Aromahersteller Symrise startete gut: Er steht dabei für die in diesem Jahr bereits erkennbare Tendenz, dass die Anleger große Emissionen weitaus stärker nachfragen als kleine. Open BC galt im Vorfeld als schwacher Kandidat, schlug sich dafür aber achtbar: Das zeigt, dass auch spekulative Jungunternehmen nach langen Jahren wieder eine Chance am Kapitalmarkt bekommen.

„Der deutschsprachige Kapitalmarkt wird auch im kommenden Jahr der aktivste in Europa sein“, sagt Klaus Fröhlich, der bei Morgan Stanley das IPO-Geschäft in Europa betreut. Mit 20 bis 30 größeren Börsenneulingen mit einem Emissionsvolumen von über 100 Mill. Euro rechnet er im kommenden Jahr. Zum Vergleich: 2006 werden es rund ein Dutzend in diesem Bereich sein. Das größte Volumen dürfte seiner Ansicht dabei aus dem Immobiliensektor kommen; erneuerbare Energien sollten ein großes Thema bleiben, zudem dürfte der Bereich Telekom, Medien und Technologie (TMT) eine Renaissance erleben, schätzt Fröhlich.

Auslöser dafür ist, dass die Investoren inzwischen wieder deutlich risikofreudiger sind bei der Auswahl chancenreicher Aktien: „Viele stellen sich inzwischen die Frage: Ist es nicht an der Zeit, einen Teil der Aktien umzuschichten in Richtung Wachstumswerte“, sagt Olivier Rudigoz, oberster Aktienstratege bei BNP Paribas in Paris.

Diesen neuen Trend führen viele Experten auch als Grund dafür an, warum die als sehr spekulativ betrachtete Emission von Open BC gestern zumindest ein halbwegs gelungenes Börsendebüt hinlegte. Zwar lag der Ausgabepreis mit 30 Euro am untersten Ende der Preisspanne, allerdings brachte die Online-Kontaktplattform sämtliche 2,5 Mill. Aktien am Markt unter. Der erste Handelstag verlief unspektakulär: Die Open-BC-Aktien pendelten in einer engen Spanne um den Emissionspreis.

Über die Bewertung der Aktie war in den vergangenen Tagen stark diskutiert worden. Immerhin kam Open BC im vergangenen Geschäftsjahr gerade einmal auf einen Umsatz von sechs Mill. Euro und schrieb im vergangenen Quartal mit einem Plus von 487 000 Euro auf Basis des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) erstmals schwarze Zahlen. „Insofern ist es schon ein Erfolg, dass der Börsengang stattgefunden hat“, sagte ein Frankfurter Fondsmanager. Andere waren da skeptischer: „Die Aktie erscheint mir recht teuer. Es ist schon sehr viel Zukunftsphantasie in dem Preis, die sich erst erfüllen muss“, sagt Guiseppe Amato vom Börsenmakler Lang & Schwarz.

Deutlich anders ist die Situation bei Symrise, der mit bis zu 1,4 Mrd. Euro größten Emission des Jahres. Die bis zu 81 Mill. Aktien des Aromaherstellers, die am Montag zum ersten Mal an der Börse gelistet werden sollen, sind Angaben aus Finanzkreisen zufolge mehrfach überzeichnet. Investoren gehen davon aus, dass die Papiere am oberen Ende der Preisspanne von 15,75 bis 17,75 Euro platziert werden.

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