Terminbörse braucht einen Partner
Eurex stößt in den USA auf große Probleme

Die weltgrößte Terminbörse Eurex sucht einen neuen Weg für ihre Tochtergesellschaft in Chicago.

BÜRGENSTOCK/LUZERN. Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse, der Muttergesellschaft der Eurex, hat kürzlich auf eine raschere Lösung der Probleme gedrängt: Man habe zwei Optionen – die Schließung oder aber die Suche nach einer Partnerbörse in den USA.

Die Eurex hatte große Erwartungen in ihr US-Geschäft gesetzt. Allerdings stieß sie dort auf heftigen Widerstand der einheimischen Terminbörsen, die ihr mit Kampfkonditionen entgegentraten, zudem gab es Schwierigkeiten mit den Genehmigungsbehörden. Die Eurex scheiterte daher weitgehend mit ihrem Auftritt in den USA und versucht derzeit stattdessen, durch eine Ausweitung der europäischen Handelszeiten den Markt jenseits des Atlantik zu erreichen.

Für Eurex-Chef Rudolf Ferscha geht es jetzt vor allem um die Stärkung der Kundenbeziehungen. Durch die ab 21. November geplante Ausweitung der europäischen Handelszeiten bis um 22.00 Uhr – also 15.00 Uhr Chicagoer Ortszeit – werde man den US-Markt in Zukunft von Europa aus erschließen.

Berichte, wonach die Eurex US bisher Kosten von 150 Mill. Euro verursacht habe, seien völlig aus der Luft gegriffen, sagte Ferscha. Vielmehr koste Eurex US mit ihren zwei Dutzend Mitarbeitern jährlich zwischen 20 und 25 Mill. Dollar. Dem stünden auf der anderen Seite jedoch Umsatzgarantien der Investmentbank-Partner in Höhe von 6,8 Mill. Dollar in diesem Jahr und insgesamt 18 Mill. Dollar bis zum Jahr 2007 gegenüber. Zudem erziele die Eurex US laufende Einnahmen aus den Anbindungsgebühren der Mitgliedsfirmen. Trotz der Probleme der US-Tochterbörse habe ihr bis dato kein Mitglied den Rücken gekehrt.

Außerhalb der USA ist die Eurex gut aufgestellt. Mit einer Erweiterung der Produktpalette will sie ihre globale Führungsrolle stärken. Am Freitag wird die Eurex neue Futureskontrakte auf 30jährige Staatsanleihen einführen. Am 19. September werden Futures und Optionen auf verschiedene Midcap-Indizes (DJStoxx 600, DJStoxx Mid 200 und SMI Midcap) lanciert. In den USA startet dann am 23. September der Handel von Devisen-Futures. Mit dem Einstieg in Futures auf einzelne Aktien (alle Titel des DJ EuroStoxx 50, des Dax und des SMI) folgt die Eurex dann am 24. Oktober dem Beispiel anderer Terminbörsen.

Alan Yarrow, Chairman der London Investment Banking Association (LIBA), sprach sich auf einer Tagung im schweizerischen Bürgenstock für eine Senkung der Gebühren für börsengehandelte Derivate aus. Er begründete dies mit dem rasch steigenden Volumen dieser Geschäfte, die zu niedrigen Kosten führten. Eurex-Chef Ferscha wies die Forderung zurück: Die Eurex habe ohnehin vergleichsweise niedrige Gebühren.

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