Thorsten Polleit im Interview: „Die Geldpolitik funktioniert nicht mehr“

Thorsten Polleit im Interview
„Die Geldpolitik funktioniert nicht mehr“

Die US-Notenbank hält an der Politik des billigen Geldes fest. Sie könnte schon bald neues Geld in den Markt pumpen. Thorsten Polleit, Volkswirt von Barclays Capital, warnt vor Folgen dieser Politik. Nicht Deflation sei die Gefahr, sondern Inflation. Die Schulden würden durch Inflation entwertet – oder gar nicht zurückgezahlt.
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Handelsblatt: Die US-Notenbank wird weiterhin billiges Geld bereitstellen. Was sind die Folgen?

Thorsten Polleit: Die Krise, die verursacht wurde durch zu viel Kredit und Geld, bereitgestellt im Zuge einer Niedrigzinspolitik, soll offensichtlich durch noch mehr Kredit und Geld bei anhaltenden Niedrigzinsen ?bekämpft? werden. Das ist eine Politik, die nicht funktionieren wird. Eine solche Geldpolitik zementiert aufgelaufene Ungleichgewichte und geht zu Lasten der Kaufkraft des Geldes.

Wie lange können die Zentralbanken diesen Weg noch gehen?

Zentralbanken haben das Monopol der Geldproduktion. Sie bestimmen die Quantität der umlaufenden Geldmenge. Und sie können auch die Zinslandschaft bestimmen, also sowohl die kurz- als auch die langlaufenden Zinsen. Die Möglichkeit, die Geldmenge auszuweiten und die Zinsen tief zu halten, ist nahezu unbegrenzt.

Gibt es einen anderen Weg, um eine drohende Rezession zu verhindern?

Eine Rezession ist nicht per se schlimm, denn sie ist im Kern eine Bereinigung aufgelaufener Ungleichgewichte. Wenn die Rezession in der Vergangenheit jedoch immer wieder verhindert wurde durch immer mehr Kredit und Geld und Zinssenkungen, wird der auflaufende Bereinigungsbedarf allerdings immer größer.

Worauf müssen wir uns in den kommenden Monaten oder Jahren einstellen: Deflation oder Inflation?

Wie schon so oft in der Währungsgeschichte scheint es so zu sein, dass auch heute im Ausweiten der Geldmenge das vergleichsweise kleinste Übel erblickt wird: Geldmengeausweitung wird Pleite vorgezogen. Und da die staatlichen Zentralbanken die Geldmenge jederzeit in jeder beliebigen Menge ausweiten können, um offene Rechnungen zu zahlen, ist Inflation, nicht Deflation, das monetäre Drohszenario.

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Kommentare zu " Thorsten Polleit im Interview: „Die Geldpolitik funktioniert nicht mehr“"

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  • Die Fed soll jetzt mal richtig Liquidität in den Markt pumpen. Die angehäuften Verbindlichkeiten kann und will ja eh keiner mehr zurückzahlen. Wem soll man die Rückzahlung auch zumuten? Also liebe Fed inflationiert die Schulden doch einfach weg, aber bitte nicht so zaghaft.

  • „Die Geldpolitik funktioniert nicht mehr".

    Das merken sie aber sehr früh.
    Die funktioniert schon lange nicht mehr.
    Da wäre schon lange eine andere "DENKE" angesagt.
    Sie klammern sich an etwas, was so nicht mehr zu halten ist. Naja, irgendwann geht wohl auch dem Letzten ein Licht auf.

  • Das augenblickliche Problem der Fed ist, dass die US-Wirtschaft MEHR inflation braucht, nicht weniger. Die unmittelbare Gefahr einer drohenden Deflation bestimmt momentan ausschließlich die Handlungsweise der Fed. Von einer inflation sind die USA zum gegenwärtigen Nullpunkt weiter entfernt denn je zuvor. Die Fed kann also getrost Geld drucken.

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