Tiefgreifende Änderungen in Stuttgart und Frankfurt
Schwierige Renaissance des Parketts

Mit einigen unangenehmen Begleiterscheinungen erlebt das Börsenparkett derzeit in Frankfurt und Stuttgart eine Art zweiten Frühling. Die beiden führenden Börsen in Deutschland haben sich auf unterschiedliche Weise zu einer Modernisierung des Handels auf dem alten Parkettsystems entschlossen, die weitaus tiefgreifender ist, als die millionenschwere Renovierung des großen Handelssaals in Frankfurt. Um im Kampf um den Privatkunden zu bestehen, greifen beide massiv in die Geschäftsmodelle der Börsenmakler ein und müssen dies vor Gericht verteidigen oder sehen sich Klagedrohungen ausgesetzt.

FRANKFURT. Im Extremfall kann das bei der Deutschen Börse in dieser Woche ironischerweise sogar zu einer zeitweisen Schließung des gerade modernisierten Handelssaals führen. Spätestens am Dienstag entscheidet das Verwaltungsgericht Frankfurt nämlich über den Eilantrag eines ortsansässigen Börsenmaklers, der sich bei der Vergabe der Arbeitsplätze auf dem Parkett übergangen fühlt. In einem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, droht das Gericht mit deutlichen Worten mit dieser Konsequenz, sollte die Börse ihr Regelwerk nicht anpassen.

Im Grunde ist der Rechtsstreit aber nur das Symptom einer langen Entwicklung. Früher war eine Börse lediglich der mehr oder weniger gemeinnützige Besitzer eines großen Saales, in dem die Makler ihr Geschäft machten. Die Makler waren die Bosse im Ring, verdienten gutes Geld und standen im Wettbewerb untereinander. Heute sind die elektronisierten Börsen auf Gewinnerzielung aus und erzielen satte Margen. Die Makler sind zwar noch selbstständig, aber im Grunde abhängige Dienstleister der Börse Geschäft mit deren Kunden.

Die Dienstleistung der Makler aber, vor allem Schnelligkeit der Orderausführung, entscheidet über den Erfolg einer Börse im Kampf um den lukrativen Teil der Privatkunden. Denn nur noch diese Handeln auf dem Parkett, die Großanleger nutzen das elektronisches Handelssystem Xetra, das als Totengräber des Parketts gilt.

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