Trend zu Namensaktien
Aktionäre müssen sich zu erkennen geben

Auch Adidas will es jetzt genau wissen. Der Sportartikelhersteller folgt dem Beispiel anderer Großkonzerne wie BASF und Bayer und führt seit Montag ein Aktionärsbuch, in dem er die Besitzer seiner Aktien registriert. Damit wird Adidas die zwölfte Namensaktie im Dax.
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HB FRANKFURT. Bei inzwischen zwölf Dax-Unternehmen ist die Zeit der anonymen Aktionäre vorbei. "Es gibt einen Trend zu Namensaktien", stellt Marktanalyst Heino Ruland von RulandResearch fest. Doch Experten warnen davor, die Möglichkeiten dieser Form von Aktien zu überschätzen: Schutz gegen einen ernsthaften Übernahmeversuch bieten sie nicht.

Bei Namensaktien werden die Aktionäre mit ihrem Namen und der Anzahl ihrer Aktien in das Aktienregister eingetragen. Das kostet zwar Geld, hat aus Sicht der Unternehmen aber auch gewichtige Vorteile. "Mit der Umwandlung ihrer Anteilsscheine in Namensaktien wollen Unternehmen eine Übernahme erschweren", sagt Ruland. "Dahinter steckt die Erfahrung, dass potenzielle Firmenkäufer sich angeschlichen haben."

Dies widerfuhr etwa dem Autozulieferer Continental beim Einstieg des fränkischen Familienunternehmens Schaeffler. Auch der Essener Baukonzern Hochtief würde angesichts des feindlichen Übernahmeangebotes von ACS wohl gerne genauer über seine Eigentümerstruktur Bescheid wissen, um seine Abwehrstrategie zu formulieren. Hochtief hat jedoch anders als der - ebenfalls ins Fadenkreuz von Übernahme-Interessenten geratene - Kranhersteller Düsseldorfer Demag Cranes keine Namensaktien.

Ein Aktionärsregister hilft nach Einschätzung von Experten vor allem in der Frühphase eines Übernahmeversuchs. "Mit normalen Namensaktien lässt sich kein ernsthafter Übernahmeversuch abwenden", gibt ICF-Experte Klaus Stabl zu bedenken. Wolle ein Unternehmen tatsächlich die Kontrolle über seine Eigentümerstruktur ausüben, müsse es so genannte vinkulierte Namensaktien ausgeben. Sie dürfen nur mit Zustimmung des Unternehmens verkauft werden. "Das schränkt die Verfügbarkeit ein. Folglich würden diese Papiere wohl unter ihrem theoretischen Kurs gehandelt", erläutert Stabl.

Unternehmen denken jedoch bei der Schaffung von Namensaktien nicht nur an den Fall eines Übernahmeangebotes. BASF begründete diesen im Sommer vollzogenen Schritt damit, mit seinen Aktionären besser kommunizieren zu können. Ein Aktionärsbuch ermöglicht etwa die gezielte Ansprache von Fonds, die unter der gesetzlichen Meldeschwelle von drei Prozent bleiben.

Die Besitzer lassen sich nach Angaben der Deutschen Börse trotz des elektronischen Hochgeschwindigkeitshandels ermitteln. "Alle Aktionen werden gespeichert und sind somit nachvollziehbar", sagte ein Sprecher des Frankfurter Börsenbetreibers. Dies gilt jedoch nicht für außerbörsliche Geschäfte.

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