Trotz kräftiger Kursgewinne sind weitere „moderate“ Steigerungen möglich
Analysten sehen noch Luft für Chipaktien

Technologie-Aktien sind an den internationalen Börsen wieder gefragt. Die kräftigen Kursanstiege an der US-Technologiebörse Nasdaq – aber auch im deutschen TecDax – belegen dies. Ein Grund für den Optimismus des Marktes sind die guten Nachrichten aus der Chipindustrie.

DÜSSELDORF. Die steigende Nachfrage nach Halbleitern werten Beobachter als Hoffnungszeichen für den lang ersehnten Aufschwung der gesamten Technologiebranche. Weil kaum ein technisches Gerät heute ohne Chips gefertigt wird, gelten die Umsätze der Halbleiterindustrie als wichtiger Frühindikator für die Tech-Konjunktur.

Für die Besitzer von Halbleiter-Aktien hat sich die gestiegene Nachfrage von Seiten der Industrie schon jetzt gelohnt. Seit März haben sich etwa die Kurse des US-Schwergewichtes Intel oder der deutschen Infineon mehr als verdoppelt. Nachdem die Kurserholung zunächst weitgehend von der Hoffnung auf bessere Zeiten dominiert war, stimmt inzwischen auch das fundamentale Umfeld in der Chipbranche: Die Preise für Halbleiter haben ihre Tiefstände weit hinter sich gelassen und sich in den vergangenen Wochen auf einem Niveau stabilisiert, das den Firmen Gewinne ermöglicht. Wie die jüngsten Bilanzzahlen zeigen, haben die Unternehmen schon im dritten Geschäftsquartal davon profitiert. Mit Ausnahme von Infineon haben inzwischen alle wichtigen Halbleiterunternehmen Zahlen vorgelegt – und der Tenor ist ausgesprochen positiv.

Auch die Ausblicke der Unternehmen stimmen die Anleger zuversichtlich. So hat beispielsweise der weltgrößte Chiphersteller Intel angekündigt, im vierten Quartal Umsatz und Gewinn weiter zu steigern. Am Jahresende werde dann eine „erhebliche Verbesserung“ zum Geschäftsjahr 2002 stehen, so Intel-Finanzchef Andy Bryant. Jüngste Zahlen der Halbleiterverbände SIA und WSTS untermauern diese Einschätzung (siehe Kasten).

Wachstumstreiber werden vor allem die PC-Industrie und der Mobilfunksektor sein. Während die Handyhersteller schon seit einigen Monaten verstärkt bei den Halbleiterherstellern einkaufen, werden die Computerkonzerne vor dem bevorstehenden Weihnachtsgeschäft ihre Vorräte auffrischen. „Bis zum Jahresende sollten sich die guten Nachrichten daher fortsetzen“, sagt Thorben Geise, Analyst der WGZ Bank. Und auch danach hält er einen Einbruch der Chipnachfrage für unwahrscheinlich. Nach und nach werde die PC-Branche jedoch davon profitieren, dass Firmen ihre Computersysteme erneuern, und das werde wiederum für eine stabile Nachfrage bei Halbleitern sorgen. „Die Unternehmen schieben die Ersatzinvestitionen schon einige Zeit vor sich her. Irgendwann müssen die aber kommen“, so Geise. Die Trendumkehr im Chipgeschäft hält er daher für „nachhaltig“.

Eindeutiger favorit ist Infineon

Auch SEB-Analyst Ingmar Lehmann geht davon aus, dass die Branche „die Talsohle durchschritten“ hat und sich „am Anfang einer Aufwärtsentwicklung“ befindet, deren Ausmaß allerdings noch nicht bekannt sei. „Einen Boom wie 2000 sollte jedenfalls niemand erwarten“, bremst Lehmann zu hohe Erwartungen der Anleger. Da inzwischen auch viele gute Nachrichten in den Kursen enthalten seien, würden die weiteren Preissteigerungen nur noch „moderat“ ausfallen.

Eindeutiger Favorit der SEB ist die Aktie von Infineon. Mit einem Kursziel von 17 Euro ist sie für Lehmann ein „starker Kauf“. Außerdem sieht er auch bei Intel und bei der niederländischen Philips Potenzial und empfiehlt beide mit „Kaufen“.

WGZ-Analyst Thorben Geise rät dazu, zwischen den Aktien von Chipherstellern wie Infineon und deren Ausrüstern wie Aixtron oder ASML zu trennen. Bisher sind deren Aktien nahezu parallel nach oben gelaufen: „Von den Aufträgen und den Ergebnissen her gesehen, ist diese Kursentwicklung aber nicht gerechtfertigt“, gibt der WGZ-Analyst zu bedenken. Und auch die Zyklik spricht gegen gleich laufende Kurse. Denn bevor die Chiphersteller in neue Anlagen investieren, reizen sie zunächst die Kapazitäten der bestehenden aus. Erste positive Signale für die Chipausrüster gibt es zwar. So kündigte Infineon-Chef Ulrich Schumacher jüngst an, dass die Investitionen im kommenden Jahr „deutlich höher“ ausfallen werden. Dennoch rät Geise bei Ausrüstern zur Vorsicht und empfiehlt den Kauf von Infineon mit einem Kursziel von 16 Euro.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%