Trotz Optimismus
Privatanleger bleiben skeptisch

So optimistisch wie jetzt war die Stimmung an den Börsen seit eineinhalb Jahren nicht mehr. Viele erwarten steigende Kurse. Professionelle Anleger kaufen deshalb wieder stärker Dividendentitel zu. Privatanleger halten sich mit Engagements dagegen zurück. Börsenprofis überrascht das nicht.
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FRANKFURT. Ein Phänomen, das Geldprofis nicht überrascht: Obwohl große Zuversicht an den Börsen herrscht, halten sich Privatanleger mit Engagements zurück. Mehrere Umfragen aus August und Juli belegen, dass Investoren im Hinblick auf die Entwicklung der Aktienmärkte in den kommenden Monaten optimistisch sind. Dennoch engagieren sich private Anleger bei Aktien oder Aktienfonds derzeit eher nicht, während professionelle Anleger wieder stärker Dividendentitel zukaufen.

Die beste Stimmung unter Privatanlegern ermittelte TNS Emnid im Auftrag der Deutschen Bank, wonach gut drei Viertel der 1028 befragten Anleger in den kommenden drei Monaten mit steigenden oder stabilen Aktienmärkten rechnen. Die Umfrage liegt dem Handelsblatt vor. Nach einer weiteren repräsentativen Umfrage von TNS Infratest unter Anlegern für die DZ Bank erwartet eine Mehrheit steigende Kurse im Deutschen Aktienindex in den kommenden sechs Monaten.

So optimistisch haben sich die Anleger seit gut eineinhalb Jahren nicht mehr geäußert. Beiden Umfragen zufolge machen die Anleger das Wirtschaftswachstum in Deutschland und das weltweite Wachstum als wichtigste Treiber der Börsen aus. Eine deutliche Aufhellung der Stimmung macht auch der Investor Confidence Index von JP Morgan Asset Management aus, den die GfK ermittelt. Seit Mai hat sich die Zahl der optimistischen Anleger im Land auf knapp die Hälfte verdoppelt.

Das bedeutet aber nicht, dass die Privatanleger nun verstärkt Aktien oder Fonds kaufen. Nach der Umfrage der Deutschen Bank wollen knapp drei Viertel ihr Anlageverhalten in den kommenden drei Monaten nicht verändern. Und immer noch acht Prozent wollen ihr Anlagerisiko verringern. Konkret nimmt das Interesse an Aktien und Fonds den Umfragen zufolge nur leicht zu: So gaben 17 bis 22 Prozent an, in den kommenden Monaten Aktien kaufen zu wollen, rund ein Viertel zeigt Kaufbereitschaft für Fonds. Der größte Teil der Befragten setzt dagegen auf Sicherheit und nennt Tages- und Festgeld als bevorzugte Anlage. Bei der Umfrage der Deutschen Bank sind es 42 Prozent, bei der DZ Bank sogar knapp zwei Drittel. Auch das Interesse an Anleihen ist laut beiden Umfragen leicht gestiegen.

Institutionelle Investoren sind optimistisch - und handeln auch so

Im Gegensatz zu den Privaten setzen professionelle Anleger wie Fondsmanager ihren größeren Optimismus relativ rasch um: Nach der bedeutendsten monatlichen Umfrage unter internationalen Vermögensverwaltern von Bank of America Merrill Lynch rechnen immer mehr Investoren mit einem zunehmenden weltweiten Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr. Daher bauen sie Liquidität ab und kaufen verstärkt Aktien, vor allem in Europa.

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