Trübe Konjunkturaussichten
Dax-Ausblick: Kaum Anlass für Hoffnungen

Die Anzeichen, dass die Wirtschaft weiter in die Rezession driftet, verdichten sich. Unternehmen müssen ihre Erwartungen zurückfahren. Beobachter rechnen daher damit, dass sich die Aussichten für den deutschen Aktienmarkt weiter eintrüben. Doch einige Optimisten blicken schon weiter.

HB FRANKFURT. Zunächst dürften indes die zunehmenden Hinweise auf eine andauernde Rezession in Europa und den USA die Kurse in der kommenden Woche unter Druck setzen. Die Finanzkrise weitet sich zusehends auf andere Branchen aus. "Es gibt wenig Anlass, zuversichtlich zu sein", fasst SEB-Anlagestratege Klaus Schrüfer die Stimmung zusammen.

"Angesichts der ungewissen Zukunft des Finanzsektors, den immensen konjunkturellen Unwägbarkeiten sowie anhaltender Revisionen bei den Unternehmenserträgen besteht fundamental derzeit wenig Aussicht auf eine baldige Trendwende an den Aktienmärkten in der Eurozone", betonen die Analysten der Landesbank Berlin. "Schwache OECD-Frühindikatoren signalisieren, dass die Gewinnerwartungen weiter sinken werden", erklärt Commerzbank-Volkswirt Jörg Krämer. Nach der Finanzwirtschaft entpuppt sich die Autoindustrie als nächste Krisenbranche.

"Eine große Portion Skepsis bleibt erhalten", schreiben die Börsenexperten des Stuttgarter Bankhauses Ellwanger & Geiger in ihrer aktuellen "Marktmeinung aus Stuttgart", "schließlich werden insbesondere die Anleger erst nach den Zahlen des vierten Quartals, also zu Beginn des neuen Jahres, erkennen können, ob nicht doch noch irgendwelche Löcher bei den Kreditinstituten zu stopfen sind".

Die Stuttgarter glauben daher, dass insbesondere die Prognosen für die Branche der Banken "mit größter Vorsicht" zu genießen seien. "So werden die Anleger Zeit mitbringen müssen, bis die Rettungsschirme Wirkung zeigen und die noch kommenden Zinssenkungen der EZB, voraussichtlich bis in das Frühjahr 2009 hinein, auch für die Unternehmen positive Ergebnisse bringen."

Der deutsche Aktienmarkt kommt dabei einfach nicht zur Ruhe. Ein ständiger Wechsel von kurzer Euphorie, die den Dax mehrere hunderte Punkte nach oben treiben kann, und anschließender Depression zehrt am Nervenkostüm der Anleger. "Positionen über den Tag hinaus gehe ich praktisch keine mehr ein", beschreibt ein Eigenhändler seine Überlebensstrategie in stürmischen Zeiten und bekennt resigniert: "In diesen Märkten Geld zu verdienen ist äußerst schwierig" - mit dieser Einschätzung ist er nicht allein.

Jens Herdack, Aktienstratege bei der Weberbank, hält nach den extremen Verlusten der zurückliegenden Wochen "kurzfristige scharfe Gegenbewegungen" der Aktienmärkte für wahrscheinlich, "bevor sie dann wieder abtauchen sollten". In vergleichbaren Ausverkaufssituationen seien "nicht selten Zwischenerholungen von 20 bis 50 Prozent zu verbuchen, bevor die Märkte sich wieder der schlechten Fundamentaldaten bewusst wurden. Und wir kommen nicht umhin, die aktuellen Fundamentaldaten als schlecht zu bezeichnen."

Seit Juni 2007, also praktisch dem Ausbruch der Finanzkrise, hat die Dresdner Bank gleich sechs Bärenmarktrallys gezählt. Und alle basierten auf der Annahme, dass alle negativen Nachrichten in der Zwischenzeit eingepreist seien und der Markt als günstig bewertet gelte. Auch die nun zu Ende gehende Berichtssaison in den USA und Europa könnte zur Überzeugung führen, dass es schlimmer nicht mehr werden kann. Ein Börsenbeobachter sieht gar die schlechteste Earnings-Season, an die er sich persönlich erinnern könne.

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