Übernahme-Finanzierung
Bares ist weniger gefragt

Es scheint eine neue Zeit der Mega-Übernahmen angebrochen zu sein. Für das nötige Kleingeld greifen Firmen wieder mehr auf eigene Aktien zurück. Auch insgesamt wird das Übernahmegeschäft kreativer.
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LondonIn puncto Fusionen sind die Mega-Deals wieder da. Insgesamt gab es im vergangenen Quartal die meisten Übernahmen seit 2007. Interessant: Um sich eine Übernahme leisten zu können, nutzen Käufer inzwischen wieder häufiger eigene Aktien. In den Monaten April bis Juni sind weltweit Firmenkäufe im Wert von über 900 Milliarden Dollar (rund 660 Milliarden Euro) angekündigt worden.

Bei der Finanzierung profitieren die Käufer häufig vom gestiegenen Kurs der eigenen Aktie. Börsennotierte Unternehmen weltweit haben laut Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg im zweiten Quartal nur in einem Drittel der Fälle reine Bar-Offerten getätigt. Ein Jahr zuvor machten Cash-Angebote noch zwei Drittel der Transaktionen aus. In den fünf Jahren vor 2013 war es durchschnittlich die Hälfte der Übernahmen, die nur mit Bargeld bezahlt wurden.

In einigen Fällen lag das daran, dass die Käufer angesichts aufgerufener Summen im zweistelligen Milliardenbereich schlicht nicht genug Bares zur Verfügung hatten. So zahlt AT&T demnächst 48,5 Milliarden Dollar (35,4 Milliarden Euro) für DirecTV, davon zwei Drittel in eigenen Aktien. Der Telekommunikationskonzern verfügte Ende März über gerade einmal 3,6 Milliarden Dollar (2,6 Milliarden Euro) in liquiden Mitteln.

Bei anderen Transaktionen muss aus rechtlichen Gründen auf Aktien zurückgegriffen werden. So will der Medizintechnikkonzern Medtronic aus Minnesota in den USA seinen irischen Konkurrenten Covidien für 42,9 Milliarden Dollar (31,3 Milliarden Euro) übernehmen, unter anderem um sich ein steuerliches Domizil in Irland zu sichern. Nach US-Steuerrecht muss bei einer solchen Transaktion der Käufer seine eigenen Aktien zum Kauf nutzen.

„Schon aufgrund ihres Charakters erfordern transformierende Transaktionen meist eine Kombination aus Barmitteln und Aktien“, sagt Robert Rankin, Co-Leiter Unternehmensfinanzierung und Wertpapiere bei der Deutschen Bank in London. „Die Aktienrally über die vergangenen zwölf Monate hat zudem aber auch dazu beigetragen, große Transaktionen zu erleichtern.“

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