Übernahmeofferten treiben Leitindex
Börse Südafrika auf Rekordniveau

Die Börse Johannesburg zeigt Stärke. Trotz einer Zinserhöhung der südafrikanischen Zentralbank um 50 Basispunkte und einer leichten Abkühlung an den internationalen Rohstoffmärkten ist der Leitindex JSE in der vergangenen Woche auf ein neues Allzeithoch geklettert.

KAPSTADT. Verantwortlich waren zum einen die Kurssteigerungen großer Baufirmen. Ein weiterer Grund liegt in den immer neuen Übernahmeofferten privater Beteiligungsgesellschaften für Südafrikas Einzelhändler. Gleichwohl führten Profitmitnahmen, eine Herabstufung der großen Rohstoffkonzerne durch Merrill Lynch und ein stärkerer Rand dazu, dass der JSE-Index zum Wochenende wieder unter die neue Rekordmarke von 24 000 Punkten zurückfiel.

Neue Pläne für höhere Infrastrukturausgaben, insbesondere im Vorfeld der Fußball-WM 2010 am Kap, katapultierten sowohl den Baukonzern Murray & Roberts als auch seinen Erzrivalen Aveng letzte Woche auf neue Rekordstände. Aber auch Group Five, die Nummer drei der Baubranche am Kap, konnte am Wochenende über vier Prozent zulegen. Damit sind die Unternehmen nach Einschätzung von Julian Wentzel, Chef der Forschungsabteilung von Macquarie First South, nun jedoch insgesamt hoch bewertet. Weniger stark waren die Zugewinne beim Zementhersteller PPC. Die vier Großproduzenten in Südafrika sind angesichts des Baubooms am Kap schon seit längerem nicht mehr in der Lage, die hohe Nachfrage zu decken und müssen inzwischen fast alle Zement aus dem Ausland importieren.

Daneben werden die Kurse an der JSE derzeit durch neue Übernahmeofferten privater Beteiligungsgesellschaften nach oben getrieben. Erst im vergangenen Monat hatte die Supermarktkette Shoprite ein Übernahmeangebot durch die Investmentbank Brait sowie das Shoprite-Management in Höhe von 13,2 Mrd. Rand akzeptiert. Auch der Finanzdienstleister Alexander Forbes befindet sich in Übernahmegesprächen mit einem Konsortium, das von der britischen Actis Capital angeführt wird. Diese hat 7,7 Mrd. Rand für den Auskauf des Unternehmens offeriert.

Ins Visier von Private-Equity-Investoren ist aber auch Südafrikas größter Einzelhändler Edcon geraten. Sein Aktienkurs lag zu Wochenbeginn bei 37 Rand, womit der Börsenwert des Unternehmens auf 20 Mrd. Rand (2,8 Mrd. Dollar) taxiert wird. Der Höchstpreis wird von Experten wie Merrill-Lynch-Analyst Mohamed Mayet mit 43 Rand pro Aktie veranschlagt, was den Marktwert des Textilverkäufers, der im gleichen Marktsegment wie C&A in Deutschland operiert, auf 23,4 Mrd. Rand schrauben würde. Allerdings ist eine Übernahme durch ein internationales Konsortium offenbar keineswegs so sicher, wie ein Bericht im „Wall Street Journal“ vermuten lässt. Gegenwärtig werden die Aussichten auf einen erfolgreichen Auskauf Edcons durch Privatinvestoren von Analyst Mayet auf 50:50 beziffert, zumal noch kein konkretes Angebot vorliegt.

Obwohl die meisten Beobachter das hohe Niveau der südafrikanischen Börse angesichts der wirtschaftlichen Aussichten des Landes insgesamt rechtfertigen, mehren sich die Stimmen, die den Markt nun für weitgehend ausgereizt halten. „Die JSE hat in den letzten drei Jahren durch die niedrigeren Zinsen und Steuern und die dadurch angeheizte Verbrauchernachfrage eine starke Eigendynamik entwickelt“, glaubt Wentzel. Mit dem allmählichen Abflauen der Nachfrage wären hohe Renditen nun immer schwerer zu erzielen, da die Zugewinne vermutlich auf wenige Branchen beschränkt blieben und Investoren ihre Favoriten nun mit noch mehr Sorgfalt als zuvor auswählen müssten, gibt der Analyst von Macquarie First South zu bedenken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%