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Die unglaubliche Geschichte eines Betrügers

Ulrich „Richie“ Engler
Die unglaubliche Geschichte eines Betrügers

Ulrich Engler ist der dreisteste Dieb Deutschlands: 500 Millionen Dollar zockte er in Rekordzeit bei 5.000 Anlegern ab. Was Engler, seine Helfer und seine Kunden einte: die Gier nach schnellem Reichtum. Eine Spurensuche.
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Der schwarze Koffer ist alles, was Ulrich Engler bleibt. Ein paar Jogginganzüge, ein paar T-Shirts, ein Dutzend loser Blätter. Dabei hatte Engler einmal Hunderte Millionen auf der Bank, Tausende Kunstwerke in einer Lagerhalle, Luxuskarossen vor seiner Villa. Jetzt dreht der Koffer einsam Runde um Runde auf dem Gepäckband. Denn die Beamten des Landeskriminalamts haben es eilig, legen ihm direkt am Gate Handschellen an, führen ihn durch die Flughafenhallen.

Es ist Sonntag, der 19. August 2012, 13.50 Uhr in Frankfurt am Main. Zwei US-Marschalls haben Engler über den Atlantik gebracht. Condor Flug 7083 aus Las Vegas. Amerika hat Engler abgeschoben. Diesen groß gewachsenen Mann, dessen wichtigstes Kapital über Jahre hinweg sein Auftreten war. Die LKA-Ermittler führen Engler in einen Raum der Bundespolizei, grüne Polster unter Neonlicht. Seine blonden Haare sind rasiert bis auf den Schädel, statt Maßanzug trägt er Jeans und T-Shirt. Er kauert auf dem Stuhl wie ein kleiner Junge, den man beim Stehlen erwischt hat.

Drei Jahre lang glänzte Engler so hell, dass er um sich herum alle blendete. Er versprach seinen Anlegern Rendite ohne Risiko, gaukelte ihnen vor, er könne mit einem Computerprogramm die Märkte überlisten. Durch Day-Trading - Käufe und Verkäufe im Minutentakt - Gewinne von sechs Prozent erzielen. Nicht im Jahr, sondern im Monat. Verstehen konnte das niemand, aber mehr Geld, das wollten sie alle: Engler, seine Vermittler, die Kunden.

Vom Geld, das ihm die Menschen überwiesen, machte sich Engler ein schönes Leben. Leistete sich nur das Beste. Einen kleinen Teil zahlte er den Anlegern jeden Monat zurück - insgesamt nur 3,8 Millionen - als angeblichen Gewinn. Solange immer neue Kunden kamen, funktionierte das System. Die Anleger dachten, Engler sei ein Genie, folgten ihm, weil er vorlebte, was sie ersehnten: Reichtum, Status, Unbeschwertheit. Kein deutscher Anlagebetrüger war je so schnell beim Geld einsammeln wie Engler.

Auf 500 Millionen Dollar schätzen US-Wirtschaftsprüfer den Schaden. Deutsche Ermittler fanden bisher Belege für 180 Millionen Euro, die Engler bei Kunden eingesammelt hat. Drei Jahre, von Januar 2005 bis September 2007, brauchte er dazu. Ulrich Engler war der dreisteste Dieb Deutschlands.

Kommentare zu "Die unglaubliche Geschichte eines Betrügers"

Alle Kommentare
  • 6 Prozent im Monat sind übrigens realistisch! Aber jeder sollte es sich vorher zeigen lassen.

  • stimmt, da doch jemand beim HB-Börsenspiel 700% in kürzester Zeit gemacht - beste Aussage: gezockt habe er nicht ...

  • "6 Prozent im Monat sind übrigens realistisch ..." Ja, mag sein, aber auf keinen Fall JEDEN Monat!

  • Mir fehlt das Mitleid fuer die Opfer. Ich halte es immer wie Buffett. Ich investiere nie in etwas, was ich nicht vollkommen verstanden habe.

    Wenn man sich die Muehe machte, das Geld zu verdienen, dann muss man sich auch die Muehe machen, es so zu verwalten, dass es zumindest seinen Wert behaelt. Und dies ist nicht immer einfach, aber genau so wichtig wie es zu verdienen.

  • Die unglaubliche Geschichte eines Betrügers
    ----
    sorry, aber ich musste fast lachen bei dieser Geschichte.
    Zitat:: Wer mehr hat, ist mehr. Ein Sinnbild für den um sich greifenden Wahn, dass sich Geld aus dem Nichts schaffen und grenzenlos vermehren lässt.-
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    Nicht zu fassen, wie die leute nach all den Jahren -dem Desaster überall- nichts begriffen haben. Viele sind schon vor ihm aufgeflogen, viele werden noch nach ihm folgen.
    Überall Betrug- der Staat- die Politiker- die Brüsseler Agenten-- die ESMler-die Bankler- die Händler u.s.w.
    Schöne neue Welt.Trau-schau-wem!
    Man könnte jetzt auch noch ironisch hinzufügen: "Wie der Herr so Gscherr!"
    Der Herr -der Staat--geht mit bestem Beispiel voran--
    das Gscherr- das Volk - das folget ihm. So eilen sie zur wundersamen Geldvermehrung.
    Kleine Bemerkung: Es geht halt nicht darum , wer mehr hat, sondern ob man als Mensch genug hat, genug, um gut zu leben.Was brauchen wir mehr? wozu?
    Mit weniger, dafür aber sicher, zufrieden zu sein, statt sich von der Gier das Hirn zerfressen lassen. 2007 hätte ich die noch bedauert, aber heute, , nein ,selber schuld.
    Der Preis für die Dummheit.

  • Lustig, dass keiner merkt, dass JEDES Wort in diesem Artikel 1:1 auf unser gesamtes Welt-Finanzsystem passt (nur die Wachstums-Prozentzahlen sind etwas kleiner, damit es nicht so auffällt).

    Das gesamte Finanz- und Wirtschaftssystem ist ein einziges gigantisches Schneeballsystem, und am Ende werden nur die ersten und schnellsten 1% ihren Einsatz wieder rausbekommen. Alle anderen werden leer ausgehen. Man google 'Debitismus'.

    Mind my Words,

    MfG vom Adminator

  • Und wieder einmal kommt der Steuerzahler für alle unnötigen Gefängniskosten auf. Tolles System, aber nur für die Kriminellen! Den Luxus, sich stets um das leibliche und seelische Wohlergehen von Verbrechern zu kümmern, sollte sich keine Gesellschaft mehr leisten, in der viele Menschen Hilfe benötigen, die Hilfe nicht nur verdient haben, sondern sich der Hilfe verdient gemacht haben. Bitte schicken Sie Herrn E. für 15 Jahre in ein Gefängnis in der Türkei. Alles andere wäre nur Erholungsurlaub ohne abschreckende Wirkung.

  • 10 Tausende Diktaturkritiker gehen in Paris gegen Sparpolitik und Fiskalpakt auf die Straße! - nach der HB-Rußland-Logik sollte Hollande der Angstschweiß ausbrechen, schnellstens die Brüsselbande in seine Aldi-Tüte packen und sich verziehen. Wo bleibt der Aufschrei?

    Die deutschen Stinkstiefel machen nichts anderes als sich europaweit unmöglich. Weil alle Welt sie haßt, fliegt Brüssel von selbst auseinander.

    Ja gut, ich habe heute mittelmäßige Laune. So einfach, wie das hier klingt, wird es nämlich nicht.

  • Schade um den Mann von der Alb. Betrogen hat er nur die Gierigen, also niemand. Und sein Schneeballsystem ist das Selbe, das die Politiker wie Schäuble, Draghi und alle anderen ESM Befürworter kreieren. Nur steht es nicht unter Strafe. Engler ist aber zweifellos sympathischer als Schäuble, Draghi und Merkel. Grüsse an Ihn.

  • Stimmt?!?!
    Und wer berichtet über diejenigen, die in kürzester Zeit alles verloren haben?

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