Umfrage
Börse: Experten erwarten Korrektur bis Jahresende

Der Dax hat im letzten halben Jahr kräftig zugelegt. In den kommenden Monaten könnte dem Index aber die Puste ausgehen. Nach einer Umfrage unter mehr als 20 Experten dürfte er das Jahr unter seinem jetzigen Stand beenden. Der größte Pessimist rechnet damit, dass der Index um 1 000 Punkte abstürzt.

HB FRANKFURT. Zum Jahresende sehen 24 von Reuters befragte Experten den deutschen Leitindex im Schnitt ihrer Prognosen bei 5675 Punkten. Damit liegt das Börsenbarometer zwar 18 Prozent über seinem Stand vom Jahreswechsel 2008/2009 - aber ein Prozent unter dem aktuellen Niveau von 5 725 Zählern. Der pessimistischste Experte rechnet mit einem Rutsch des Dax bis auf 4 700 Zähler, der Optimistischste traut dem Index einen Anstieg bis zum Jahresende auf 6 300 Punkte zu. Bei der vorangegangenen Umfrage Ende Juni hatten die Experten noch im Schnitt einen Schlussstand von 4 900 Punkten prognostiziert.

"Seit Anfang des Jahres haben wir eine beachtliche Aufwärtsbewegung geschafft, und gute Unternehmensergebnisse, die möglicherweise noch kommen, dürften zum größten Teil bereits eingepreist sein", sagte Marktstratege Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank. Er sieht den Dax Ende Dezember bei 5 500 Punkten. Erst 2010 wird es seiner Einschätzung nach weiter nach oben gehen. Auch in den Reihen der Landesbanken herrscht Skepsis.

Die Aussichten auf eine Jahresendrally seien gering, eher sei eine Seitwärtsbewegung zu erwarten, sagten Volkswirte mehrerer Landesbanken, darunter Jürgen Pfister (BayernLB), Ulrich Kater (DekaBank), Dirk Gojny (HSH Nordbank) und Volker Sack (Nord/LB). Schließlich sei angesichts der aktuellen Ertragsperspektiven der Unternehmen bereits wieder ein Bewertungsniveau wie im langjährigen Durchschnitt erreicht worden, warnen die im Bundesverband Öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) zusammengeschlossenen Experten. Markus Reinwand von der Helaba zeigt sich optimistisch und rechnet mit einer Fortsetzung der zyklischen Hausse in den kommenden sechs Monaten.

Andreas Hürkamp von der Commerzbank ist ebenfalls optimistischer. Seiner Prognose zufolge wird der Dax nach einer Herbstrally mit 6100 Zählern aus dem Jahr gehen. "Wir erwarten eine starke Erholung zunächst in den weltweiten Auftragseingängen. Und bei Veröffentlichung der Zahlen zum dritten Quartal rechnen wir mit positiven Überraschungen bei den Umsatzzahlen der Unternehmen", sagte er.

Dann aber werden seiner Einschätzung nach die Bemühungen der Zentralbanken, ihre Unterstützung für die Märkte zurückzunehmen, am Markt Spuren hinterlassen. Im zweiten und dritten Quartal 2010 dürfte der Markt Hürkamp zufolge daher seitwärts tendieren. Auch seine Kollegen trauen dem Dax dann nicht mehr viel zu: Im Schnitt der 22 abgegebenen Prognosen wird der Index Mitte 2010 bei 5 975 Punkten notieren, gerade einmal gut vier Prozent über den 5 725 Zählern von Mittwoch.

Kritisch bewerten fast alle Experten des Bundesverbandes der Öffentlichen Banken (VÖB), dass in den vergangenen Monaten Investoren von der Geschwindigkeit, mit der sich die Aktienmärkte erholt haben, überrascht worden seien und in letzter Zeit jede Kursschwankung genutzt hätten, um eigene Positionen aufzubauen. Diese Entwicklung sollte ihrer Meinung nach jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass angesichts der aktuellen Ertragsperspektiven der Unternehmen bereits wieder ein Bewertungsniveau wie im langjährigen Durchschnitt erreicht worden sei. Die Wahrscheinlichkeit, in den nächsten Monaten statt einer ausgeprägten Jahresendrally mit einer Kurskorrektur Verluste hinnehmen zu müssen, steigt den Experten zufolge.

Schwarz-Gelb zieht nicht

Nach Meinung der Volkswirte der VÖB-Banken betrachten die Anleger die neuen politischen Rahmenbedingungen derweil lediglich verhalten positiv. Nicht nur die Auswirkungen des schwarz-gelben Sieges bei der Bundestagswahl, der teilweise in den Kursen schon berücksichtigt war, sondern auch die nicht immer klaren Auswirkungen der G20-Beschlüsse von Pittsburgh würden auf den Märkten kritisch verfolgt. Für eine langfristige Stabilisierung und eine darauf aufbauende anhaltend positive Kursentwicklung sei ganz entscheidend, welche Wachstumsimpulse die neue Bundesregierung setze. Mit klaren politischen Entscheidungen ist für die VÖB-Experten eine weitere konjunkturelle Erholung und Stabilisierung der Finanzmärkte 2010 wahrscheinlich.

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