Umfrage
Investoren kehren Aktien den Rücken

Anleger verabschieden sich von Aktien und bauen stattdessen Anleihen auf. Das geht aus einer von State Street initiierten Umfrage unter 166 Vermögensverwaltern hervor. Investoren wollen vor allem ihre Risiken senken.
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FrankfurtDie institutionellen Investoren orientieren sich völlig neu. „Was sich bei ihnen abspielt, ist ein markanter Umbruch und eine komplette Neubewertung der Vermögensklassen“, sagt Wolfgang Hötzendorfer, Leiter des großen Vermögensverwalters State Street Global Advisors in Deutschland. Er beobachtet: „Investoren senken Risiken, verabschieden sich von Aktien, bauen Anleihen auf, vor allem jene aus Schwellenländern.“

Die Aussagen basieren auf einer von State Street im März initiierten Umfrage unter 166 Vermögensverwaltern aus 25 europäischen Ländern. Das Datenmaterial liegt dem Handelsblatt vor. Befragt wurden die Asset-Manager unter anderem nach den Handlungsmotiven ihrer institutionellen Anleger wie Versicherungen, Pensionsfonds und Stiftungen.

Nach Angaben der Verwalter wollen die Investoren vor allem ihre Risiken senken, sie suchen gleichzeitig neue Ertragsquellen - und sie sind getrieben von der hohen Regulierungsdichte. Das setzt eine Umorientierung bei den Kapitalanlagen in einer Dimension in Gang, die laut State Street nur einmal in einer Generation zu beobachten ist.

Die Abkehr von der Aktie ist einer der entscheidenden Trends. Ein Grund dafür sind die teils hohen Verluste und großen Schwankungen in diesem Jahrtausend. Zudem werden Aktien durch strenge Regularien weniger attraktiv.

In Zeiten der Angst vor Emittentenpleiten und der Mini-Zinsen für erstklassige Staatspapiere bauen die Investoren ihre Bondbestände um. „Die Investoren bauen Anleihen auf, vor allem jene aus Schwellenländern“, erkennt Hötzendorfer. Das kann er nachvollziehen, „denn fundamental sehen die meisten Schwellenländer viel besser aus als die Industrieländer“. Und hier locken auch höhere Renditen. Staatstitel aus den kriselnden Euro-Ländern sind wegen der Bonitätsrisiken und der Zinssteigerungsgefahr kaum noch gefragt.

Wenn der risikolose Zins gegen null geschrumpft ist, dann müssen die Großinvestoren nach Ersatz für die jetzt fehlenden laufenden Erträge suchen. Und sie suchen zusätzlich jenseits der traditionellen Wertpapierformen. Auf den Radarschirmen sind laut der State-Street-Umfrage nun auch Hedge-Fonds, Immobilien und Private Equity.

Diese Entwicklungen forcieren nach Ansicht vieler Experten eine Spaltung der Vermögensverwalterbranche. Gefragt sind in Zukunft große Anbieter mit umfassendem Produktangebot in vielen Segmenten, die Kunden „aus einer Hand“ bedienen können. Chance haben auch kleine Adressen mit besonderen Fähigkeiten in einzelnen und gesuchten Vermögensklassen.

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