Unterlagen gefälscht
Kiener gesteht Millionenbetrug

Im Prozess um den Millionenbetrug an Kleinanlegern und Bankern hat Helmut Kiener nun gestanden, Abrechnungen und Kontoauszüge manipuliert zu haben.
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WürzburgDer wegen Anlagebetrugs vor Gericht stehende Hedgefondsmanager Helmut Kiener hat erstmals eingeräumt, Tausende von Anlegern mit einem Schneeballsystem um Millionen gebracht zu haben. Der 51-Jährige legte nach Angaben von Verteidiger Achim Groepper am Donnerstag vor dem Landgericht Würzburg ein weitgehendes Geständnis ab. Er habe sich angesichts von Verlusten und der Ansprüche der Investoren immer weiter in die Betrügereien verstrickt, obwohl er nicht vom Anfang an ein Schneeballsystem habe aufbauen wollen, erklärte Kiener, dessen Aussage von dem Rechtsanwalt verlesen wurde.  

„Das bereue ich bitter. Ich hatte einfach nicht den Mut, nach den Verlusten das Geschäft aufzugeben und die Fonds abzuwickeln“, hieß es in der zweistündigen Einlassung Kieners. Er habe zu spät die Reißleine gezogen, als sich seine anfangs durchaus erfolgreichen Investments in die falsche Richtung entwickelt hätten. Kiener hatte über Jahre hinweg Abrechnungen und Kontoauszüge gefälscht, um die Anlageverluste zu verschleiern. Er sprach von einem „unsäglichen Vorgehen.“ Erst nach sieben Jahren war das System im Herbst 2009 aufgeflogen.  

Der aus Aschaffenburg stammende gelernte Psychologe hatte die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bisher bestritten, die ihm Betrug, Urkundenfälschung und Steuerhinterziehung zur Last legt und den Schaden für die Anleger auf 345 Millionen Euro taxiert. Kiener, der seit eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft sitzt, verspricht sich von dem Geständnis offenbar eine mildere Strafe. Auf mehrfachen schweren Betrug stehen bis zu 15 Jahre Haft. Hinter verschlossenen Türen hatte es Verhandlungen zwischen den Verteidigern und dem Gericht gegeben. Zu deren Ergebnis wollte sich Groepper nicht äußern.  

Kiener gab den ebenfalls betrogenen Banken Barclays und BNP Paribas eine Mitschuld an den Betrügereien. Die britische Barclays Bank hatte allein 171 Millionen Euro mit den Geschäften mit Kiener verloren, der mit hohen Renditen gelockt hatte. Sie habe ihn zusätzlich unter Druck gesetzt, indem sie eigene Fonds aufgelegt habe, die wiederum in seine Hedgefonds investierten. Vorwürfe, er habe auf Kosten der Anleger einen luxuriösen Lebensstil in Florida finanziert, wies Kiener zurück. Die zwei Flugzeuge und der Hubschrauber, die er mit Geld aus den Fonds angeschafft hatte, hätten sich durchaus vermieten lassen.  

Der mitangeklagte Buchhalter Kieners, Claus David Z., hatte sich zuletzt selbst als Opfer dargestellt. Er wird der Beihilfe zum Betrug beschuldigt, weil er im großen Stil die gefälschten Kontoauszüge verarbeitet und daraus hohe Renditen von Kieners Fonds errechnet haben soll. Kiener habe ihn bis April 2009 über die Lage im Unklaren gelassen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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