Unternehmenszahlen im Fokus
Dax-Ausblick: Stunde der Wahrheit

Fünf Wochen in Folge aufwärts - kann der Dax das Tempo in der kommenden Woche halten? Charttechniker sehen noch Potenzial - wären da nicht die Risiken: In der Woche nach Ostern haben die Unternehmen das Sagen, zunächst in den USA. Gleich mehrere Banken legen Zahlen vor - dann schlägt die Stunde der Wahrheit, glauben Marktbeobachter.

HB FRANKFURT. Vorösterlich lief es für den Dax sehr gut. Der deutsche Leitindex liebäugelt mittlerweile sogar wieder mit der Marke von 4 500 Punkten. Damit hat er sich deutlich erholt - ähnlich wie die meisten anderen großen Börsenindizes. Sein Jahrestief hatte der Dax am 9. März bei einem Stand von 3 588 Punkten erreicht. Jetzt liegt der Index rund 25 Prozent darüber. Von seinem Hoch von 5 111 Punkten, das er Anfang des Jahres erreicht hatte, ist der Index aber immer noch 13 Prozent entfernt.

Wie geht es nun weiter? Commerzbank-Stratege Hans-Jürgen Delp traut dem Dax einen weiteren Anstieg auf 4 600 Punkte zu - aus rein technischer Sicht. Das bestätigen auch die Börsenexperten des Stuttgarter Bankhauses Ellwanger & Geiger. Die technischen Rahmendaten hätten sich verbessert. "Dem Dax ist es gelungen, die ehemalige Unterstützung von 4 150 Punkten als wichtige Stabilisierungsbasis zu untermauern. Trotz Rückgang befindet er sich somit noch in einem aufwärtsgerichteten Dreieck, das bis 4 600 Punkte gehen könnte", schreiben sie in ihrer aktuellen "Marktmeinung aus Stuttgart".

Potenzial für Rückschläge

Neues Rückschlag-Potenzial befürchtet Commerzbank-Experte Delp - und mit ihm viele andere Marktbeobachter - von Seiten der Unternehmen, und da wird es nun richtig spannend. Die Saison der Quartalsberichte ist gerade gestartet. "Die Erwartungshaltung ist sehr negativ", sagt Delp. Insofern könnte schon das bloße Ausbleiben neuer Hiobsbotschaften die Kurse stützen. "Bei markanten Enttäuschungen ist der Stöpsel aber schnell wieder draußen."

Postbank-Analyst Heinz-Gerd Sonnenschein hält nun ein Durchatmen der Märkte für angebracht. "Es gibt ein Risiko nach unten", warnt auch er. Schließlich könnten die großen US-Banken auch erste Hinweise zum Verlauf der Stresstests geben, die die Regierung ihnen auferlegt hat. Eine "Rutschgefahr" sieht Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors.

Auch die Techniker können die Unsicherheit nicht auflösen. "Der Dax ist in der Mitte der Mitte angekommen, und keiner weiß, in welche Richtung es weiter geht", sagt ein Börsianer mit Blick auf den Chart des deutschen Leitindex. Zurzeit bestimmen kurzfristige technische Faktoren das Geschehen. "Wir hatten in den vergangenen vier Wochen eine Bärenmarktrally", erklärt Commerzbank-Stratege Delp. Kurz bevor die Berichtssaison zum ersten Quartal in Fahrt kommt, wolle sich niemand langfristig neu positionieren. "Man nimmt schnell die Gewinne mit oder hält die Hand auf, wenn der Markt fällt - ohne strategische oder fundamentale Ziele zu verfolgen", stimmt ein Börsianer zu.

Wie ungewiss die Position der "Mitte der Mitte" ist, zeigt sich beim historischen Blick auf den Chart: Seit Beginn des Abschwungs im Januar 2008 hat sich der Dax halbiert. Von seinen absoluten Tiefstand von unter 1 000 Zählern aus dem Jahre 1988 ist er aber noch weit entfernt. Doch so weit muss der Blick gar nicht in die Vergangenheit schweifen. Derzeit trennen den Dax noch fast 2 300 Punkte von seinem Acht-Jahres-Tief bei 2 200 Punkten im November 2003, als die Technologie-Blase platzte. Viel Luft nach unten also.

"Nach oben fehlt die Fantasie. Nach unten ist offen, wie groß das Abwärtsrisiko letztlich noch ist", sagt LBBW-Stratege Steffen Neumann. Vom Blick auf die Kurven schlägt er den Bogen zur aktuellen Lage: Es sei schwer vorstellbar, dass einerseits die Wirtschaft in der schwersten Rezession seit Jahrzehnten stecke und andererseits an den Börsen die Reaktion noch so vergleichsweise milde ausfalle.

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