Urteil gilt als wichtiger Indikator für Übernahmepläne
Wettbewerbsbehörde nimmt Stellung zur LSE

Am Donnerstag liefert die britische Wettbewerbsbehörde Hinweise darauf, ob und wenn ja, welche Einwände gegen die Übernahme der Londoner Börse bestehen. Auch wenn das endgültige Urteil erst im September gefällt wird, gilt die Einschätzung als richtungsweisend.

HB/fs LONDON. Im Dezember vergangenen Jahres hatten die Vierländerbörse Euronext und die Deutsche Börse Interesse an der London Stock Exchange (LSE) gezeigt. Die deutsche Seite hatte 5,30 Pfund je Aktie geboten, was die Briten als zu niedrig ablehnten. Später musste die Deutsche Börse ihr Angebot unter dem Druck ihrer Aktionäre praktisch zurückziehen. Formal hielt sie es aufrecht. Das britische Kartellamt leitete die Offerten nach einer Prüfung an die höchstinstanzliche Wettbewerbsbehörde weiter. Die sollte feststellen, ob Anlass zur Sorge wegen Wettbewerbsverzerrung besteht.

Euronext und Deutsche Börse wollten sich am Dienstag nicht zum Verfahren äußern. Am Markt stieg die Aktie der LSE in den vergangenen Wochen deutlich an. Das deuten Analysten als Hoffnung, dass eine Transaktion zustande kommt. Zwar gab sich die LSE kühl. Chairman Chris Gibson-Smith sagte noch in der vorvergangenen Woche, man stelle sich nicht zum Verkauf. Doch trotz des zweistelligen Umsatzanstiegs im jüngsten Quartal und einer größeren Zahl an Neueemissionen hat die Börse wenige Wachstumsalternativen. Ihr fehlt das Derivategeschäft.

Mittlerweile hat die Wettbewerbsbehörde fast 40 Kommentare eingesammelt – von alternativen Handelsplattformen, Experten, Kunden und Verbänden. Kunden drängen auf Garantien bei den Tarifen. Die Finanzaufsicht mahnt an, weiterhin die Rolle des Regulierers auszufüllen. Die City of London merkt dagegen an, dass Ängste vor einem Monopol „wenig überzeugend“ sind, weil nationale Monopole längst existieren. Sie findet es „traurig, aber unvermeidlich“, dass die LSE in einem globalen Konkurrenten aufgeht.

In London gilt es als unwahrscheinlich, dass die Deutschen ihr Gebot noch einmal aufleben lassen. Eine neue Offerte sei kaum glaubwürdig. Ohnehin erwartet man am Markt ein negatives Verdikt der Wettbewerbshüter über die Deutschen. Das „vertikale Silo“ der Frankfurter, also die Kombination vom Handel bis zur Abwicklung aus einer Hand, hatte bereits das Kartellamt als zu restriktiv angemahnt. Damit bleibt nur noch die Euronext im Rennen. Die hat jedoch angekündigt, dass sie bei zu starken Einschränkungen ihr Interesse zurückzieht. Das würde wohl passieren, wenn der Regulierer sinkende Preise über die nächsten Jahre festschreiben will, vermuten Beobachter. Was auch passiert: Das Interesse an der LSE lässt nicht nach. Darauf weisen auch Gerüchte aus den USA hin.

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