US-Behörden
Verdacht auf Insiderhandel am Goldmarkt

Die Zinsentscheidung der Fed hat die meisten Investoren überrascht - aber offenbar nicht alle. Innerhalb einer Millisekunde kommt es zu auffälligen Ausschlägen. Hat jemand geplaudert? Die Suche nach dem Maulwurf beginnt.
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New YorkDie US-Aufsichtsbehörden nehmen den Handel von Gold-Terminkontrakten in New York und Chicago unter die Lupe. Dort kam es nach dem jüngsten Zinsentscheid des Offenmarktausschusses (FOMC) der Federal Reserve in Washington ungewöhnlich schnell zu Kursbewegungen.

„Es ist im Kontext der Aufsicht gängige Praxis, sich solche Bewegungen anzuschauen“, erklärt Bart Chilton, ein Kommissar der Terminbörsenaufsicht Commodity Futures Trading Commission am Mittwoch in einer Mitteilung.

Die Federal Reserve hat nach Aussage eines Sprechers die Nachrichtenagenturen kontaktiert. Sie sollen ihre Prozesse bei der Veröffentlichung von Sperrfrist-Mitteilungen der US- Notenbank prüfen, sagt Fed-Sprecher David Skidmore.

Die Federal Reserve hatte am 18. September um 20.00 Uhr MESZ überraschend verkündet, ihre Anleihekäufe im Volumen von monatlich 85 Milliarden Dollar unverändert zu belassen. Der Handel mit Gold-Futures und börsengehandelten Gold-Fonds zog bereits innerhalb einer Millisekunde nach dem Beschluss an, berichtete das Unternehmen Nanex, das den Hochfrequenzhandel auswertet.

Die Kursausschläge seien ungewöhnlich rasch erfolgt, da die Übertragungszeit zwischen Washington und Chicago sieben Millisekunden betrage. Zwischen Washington und New York dauert der Datentransfer demnach zwei Millisekunden. Nanex folgert daraus, dass die Informationen in den beiden Finanzzentren bereits vor der 20-Uhr-Sperrfrist bekannt sein mussten.

Der überraschende Beschluss der US-Notenbank von vergangener Woche führte bei Aktien, Anleihen, Währungen und Rohstoffen zu starken Kursbewegungen. Der Goldpreis kletterte am 18. September auf 1362,01 Dollar je Unze, verglichen mit 1310,64 Dollar je Unze am Vortag. Der Standard & Poor's 500 zog 1,2 Prozent an und erreichte mit 1725,52 Zählern ein Rekordhoch.

„Es ist einfach unglaublich, was innerhalb der ersten zehn bis 20 Millisekunden passiert“, sagt Eric Scott Hunsader, Chief Executive von Nanex in Winnetka im US-Bundesstaat Illinois. „Das waren äußerst brisante Informationen.“ 

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  • Erst werden die Regeln geändert und es wird NICHT genau gesagt, wo die Infos lagern dürfen, und dann "beschweren" sich die Leute, dass jetzt die Informationen Zeitgleich an verschiedenen Handelsplätzen vorliegen... Das ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, oder so.

  • Man wird nichts finden. So wie bei der jahrzehntelangen Silbermanipulation auch nicht. Selbst wenn Whistleblower die bevorstehenden Manipulationen zeitgenau ankünfigen - man wird nichts finden. Der Grund ist einfach. Die FED selbst hat es angeordnet. Hier kann man nur noch zynisch lachen.

  • Was für eine Nachricht, was für eine Überraschung.

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