US-Börsen-Ausblick
Wall Street: Nun kommt die Bewährungsprobe

Dem September eilt unter Börsianern kein guter Ruf voraus. Wieder einmal scheint sich dieser zu bestätigen: Die erste Woche des gefürchteten Monats, in dem vor einem Jahr auch die Lehman-Pleite die Finanzkrise so richtig ins Rollen brachte, endete mit dem schlechtesten Ergebnis seit Anfang Juli. Nach der vergangenen Sommer-Rally folgt in der kommenden Woche nun die Bewährungsprobe.

HB NEW YORK. Viele Händler blicken mit Sorge auf neue Zeichen der Schwäche. Wenn sie am Dienstag nach dem verlängerten Wochenende an die Wall Street zurückkehren, sind wichtige Konjunkturdaten und Bilanzen knapp - und damit auch die Impulse für den Handel.

Am Montag bleiben die Märkte wegen des Labor Days geschlossen. „Es wäre schön, wenn die Marktteilnehmer nach dem Wochenende tatsächlich Kapital in diesen Markt bringen würden“, sagte Jim Paulsen von Wells Capital Management. „Dieser ganze Höhenflug lag bisher nur daran, dass die Leute einfach aufgehört haben zu verkaufen.“

Nach einer sechsmonatigen Rally hatten alle drei großen Indizes die vergangene Woche mit Verlusten abgeschlossen: mit einem Minus von 1,1 Prozent beim Dow Jones, von 1,2 Prozent beim S&P 500 und von 0,5 Prozent bei der Technologiebörse Nasdaq. Ein Lichtblick war aber, dass der Großteil der Verluste am Freitag wieder gutgemacht wurde, und alle drei Indizes den Tag im Plus beendeten: Der Dow gewann ein Prozent auf 9441 Punkte, der breiter gefasste S&P stieg um 1,3 Prozent auf 1016 Zähler, und die Nasdaq ging 1,8 Prozent höher bei 2018 Stellen aus dem Handel.

Möglicherweise nutzten Anleger den Rückgang in der vergangenen Woche, um gerade jetzt einen Fuß in den Markt zu bekommen. Doch die Furcht vor einem erneut desaströsen September spukt weiter in den Köpfen der Anleger herum. Einige Experten sagen, dies sei bereits einkalkuliert. Doch andere halten es durchaus für möglich, dass die Erinnerung noch frisch genug ist, um Verkäufe auszulösen.

Im Mittelpunkt des Interesses dürften Werte aus der Medizin- und Versicherungsbranche stehen, wenn Präsident Barack Obama am Mittwoch seiner umstrittenen Gesundheitsreform vor beiden Kammern des Kongresses neuen Schwung geben will. Doch an der Börse hofft man eher auf geringe Zustimmung zu den Plänen, fürchten die Anleger doch Nachteile für die Konzerne bei einem Erfolg Obamas. „Es könnte als positiv aufgenommen werden, wenn wir keine große Unterstützung dafür feststellen“, sagte Todd Salamone von Schaeffer's Investment Research.

Im Konjunkturkalender der Börsianer stehen in der kommenden, verkürzten Handelswoche immerhin der Bericht über Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, und auch das vorläufige Verbrauchervertrauen dürften von Interesse sein. Die noch immer sparsamen Amerikaner lassen die Anleger nämlich um die Kraft der ersehnten Konjunkturerholung fürchten. Auch das in der kommenden Woche erwartete Beige Book der Federal Reserve dürften die Investoren auf neue Hinweise zum Zustand der US-Wirtschaft im Blick behalten.

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