US-Börsen-Ausblick
Woche der Wahrheit für die Wall Street

Das Warten hat kommende Woche ein Ende: Anleger erwarten, dass die US-Notenbank endlich Auskunft über die Dauer der Konjunkturstützen geben wird. Bei den Kongresswahlen wird ein Sieg der oppositionellen Republikaner erwartet. Die Börse wünscht: Weiter billiges Geld und eine Mehrheit für die Republikaner. Für Impulse dürfte auch der Arbeitsmarktbericht am Freitag sorgen.
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HB NEW YORK. Nach einer zweimonatigen Kursrally dürften zwei langerwartete Großereignisse die weitere Richtung am US-Aktienmarkt vorgeben: die Kongresswahlen am Dienstag und der Ausgang der geldpolitischen Sitzung der US-Notenbank (Fed) am Mittwoch. Beides dürfte auch einen weiteren Schwall an Unternehmensberichten und wichtige Konjunkturdaten in den Schatten stellen.

Eine Niederlage von Präsident Barack Obamas Demokratischer Partei bei den Wahlen wird von Analysten weithin erwartet und wurde an den Börsen bereits vorweggenommen. Die vereitelten Paketbombenanschläge auf jüdische Einrichtungen in Chicago dürften nach Einschätzung von Experten am Ergebnis wenig ändern.

Viele Investoren hoffen auf eine unternehmensfreundlichere Politik, wenn die Republikaner durch einen größeren Einfluss im Kongress in der Opposition gestärkt werden. Analysten rechnen bisher damit, dass die Demokraten im Repräsentantenhaus die Mehrheit verlieren. Nicht ausgeschlossen wird, dass die Republikaner nach der Wahl auch den Senat dominieren werden.

Sollte sich dies bewahrheiten, halten Marktbeobachter einen Schub für die Börsen für möglich. Wegen der schleppenden Konjunkturerholung und der hohen Arbeitslosigkeit ist Obama stark in der Defensive. Ob sich am Arbeitsmarkt eine Entspannung abzeichnet, wird erst der Oktober-Bericht der Regierung zeigen, der am Freitag veröffentlicht wird.

Starke Schwankungen

Weit entscheidender für die Märkte ist die zweitägige Zinssitzung der Fed. Es wird erwartet, dass die Notenbanker danach offenlegen, wie stark sie die Wirtschaft durch den Ankauf von Staatsanleihen mit frischem Geld fluten wollen. Darüber wurde zuletzt viel spekuliert, was die Kurse mal nach oben, mal nach unten trieb. "Vor zwei Wochen war die Fed entschieden bereit, den Markt zu enttäuschen", sagt Investmentstratege Burt White von LPL Financial. Mittlerweile sei auch eine leichte Überraschung möglich. Die meisten führenden Volkswirte gehen davon aus, dass die Notenbank Papiere im Volumen von 80 bis 100 Mrd. Dollar im Monat kaufen wird. Wie weit sie dabei gehen wird, ist allerdings höchst umstritten. Die Schätzungen, wie viel Geld die Fed insgesamt in die Hand nehmen wird, reichen von 250 Mrd. bis zwei Billionen Dollar.

Nach der Fed tagt am Donnerstag und Freitag die Bank von Japan, die ihre Sitzung unmittelbar nach die der US-Kollegen verlegt hat. Investoren erwarten, dass auch die japanische Notenbank ihre Anleihenkäufe hochfahren wird.

Weil so viele wichtige Termine auf dem Plan stehen, wollen sich Wall-Street-Strategen nicht auf einen Trend für die neue Woche festlegen. "Es wird wahrscheinlich ein sehr volatiler und sehr aktiver Markt", prognostiziert John Praveen von Prudential International Investments Advisers. Händler erwarten Handelsschwankungen von rund 2,5 Prozent in beide Richtungen.

Am Freitag hatte die Wall Street den Oktober mit deutlichen Kursgewinnen beendet. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte hat im abgelaufenen Handelsmonat 3,1 Prozent zugelegt, der breiter gefasste S&P-500 3,7 Prozent und der Index der Technologiebörse Nasdaq 5,9 Prozent.

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  • Wording (aus der Fed) und Wahl (der Republikaner) sind die beiden Gradmesser. Nun fragt ben auch noch die Wallstreet tatsächlich, wie sie es denn gern hätte - blommberg meldet eine offizielle Umfrage der Fed zum erwünschten QE 2-Volumen. Was sollen die sheep schon sagen, wenn man sie fragt, ob sie geschoren werden wollen? Verkündet ben am Dienstag/Mittwoch, er wolle viel (über 1000 Mrd.) und lange Dollars schütten, geht es - vermutlich - nach Norden, um dann später abzukippen in die Untiefen des Süden. ist er zurückhaltend (unter 1000 Mrd.) und nur stückweise ein paar Wochen freigiebig, kippt es wohl sofort gen Süden. Wählen sie wie erwartet die GOP in die Mehrheit in beiden Häusern, beschleunigt das den Drang nach Süden zunächst bis man erfährt, wie sich Nr. 44 und ben dazu verhält. Viel machen können sie nicht mehr - its all over now, baby blue. Weder inflationierung noch Dynamisierung sind umsonst herbeizumanipulieren.

  • es geht auch nicht darum zu wissen, was passieren wird - sondern, was passieren KANN.

    eine Kristallkugel hat niemand, nur erhalten manche eben vorzeitig Zugang zu Notenbankinformationen, zb bezüglich Mittwoch......

  • Guten Tag,... in einfachen Worten. Die Kerle wissen nicht ob es Rauf oder Runter geht. ich weiss es auch nicht. besten Dank

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