US-Börsenaufsichtsbehörde
SEC will Leerverkäufe einschränken

Die US-Börsenaufsichtsbehörde SEC will Wetten auf fallende Kurse erschweren und die Aktienleihe stärker regulieren. Die so genannten Leerverkäufe, bei denen sich Händler zu fallen drohende Aktie leihen und diese an der Börse verkaufen, um sie später wieder günstiger zurückzukaufen, stehen vor allem aus zwei Gründen unter Beschuss.

NEW YORK. Zum einen sehen viele Politiker in ihnen das Instrument, mit dem Spekulanten im Krisenwinter 2008/09 das Finanzsystem destabilisierten. Zum anderen verloren einige Pensionsfonds, die Aktien für Leerverkäufe zu Verfügung gestellt hatten, viel Geld. „Die jüngste Krise hat gezeigt, das dieses Geschäft alles anderes als risikolos ist“, sagte SEC-Chefin Mary Shapiro am Dienstag bei einer Anhörung. Die oberste Börsenaufseherin hatte zuletzt angekündigt, Teile des bislang wenig regulierten Kapitalmarktes unter die Lupe nehmen zu wollen. .

Bei einem Leerverkauf leiht sich ein Händler eine Aktie, bei der er einen Kursverfall erwartet, und verkauft sie an der Börse. Sein Ziel ist es, sie später günstiger wieder zurückzukaufen. Sein Gewinn ist dann die Differenz zwischen den Einnahmen beim Verkauf und den Ausgaben beim Rückerwerb. Eingesetzt wird diese früher vor allem von Hedge-Fonds genutzte Handelsstrategie mittlerweile von praktisch allen professionellen Marktteilnehmern. Die meisten Banker sehen in Leerverkäufen ein legitimes Instrument, um die Marktmeinung zu einem Unternehmen zum Ausdruck zu bringen.

Als im vergangenen Winter jedoch Aktien großer Banken massiv in den Keller rauschten, machten auch viele der Leerverkaufsbefürworter diese Strategie für die Verschärfung der Krise verantwortlich. Zeitweise wurden Leerverkäufe verboten, auch in Deutschland. Diskutiert wird in den USA nun die Wiedereinführung der so genannten „Uptick-Rule“. Diese Regel, die 2007 wegen Zweifeln an ihrer Wirksamkeit abgeschafft wurde, sieht vor, dass ein Leerverkauf nur möglich ist, wenn die betroffene Aktie im Augenblick vor der Transaktion gestiegen ist. So soll verhindert werden, dass Kurse zu schnell in den Keller gedrückt werden können. Der mächtige Chef der New Yorker Börse (Nyse), Duncan Niederauer, hatte sich zuletzt trotz der umstrittenen Wirksamkeit der Vorgabe für deren Wiedereinführung ausgesprochen. „Wenn es hilft, das Vertrauen in den Markt wiederherzustellen, sollten wir das in Betracht ziehen“, sagte er.

Leerverkäufe waren in der Vergangenheit aber nicht nur für Hedge-Fonds, sondern auch für ganz normale Pensionsfonds ein einträgliches Geschäft. Letztere dürfen sie zwar nicht selbst einsetzen. Allerdings verliehen sie ihre riesigen Aktienbestände gegen Gebühr an Marktteilnehmer, die sie für Leerverkäufe einsetzen wollten. In der Krise machten sie damit aber Verluste, offenbar weil die leihenden Firmen nicht mehr zahlen konnten. So hat der kalifornische Pensionsfonds Calpers zuletzt 634 Mio Dollar Verlust aus einem im Frühjahr beendeten Leiheprogramm einräumen müssen.

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