US-Börsennotierung auf dem Prüfstand
Deutsche bleiben vorerst in New York

Europäische Unternehmen wägen das Für und Wider einer Börsennotierung in den USA ab. Von den deutschen Firmen kündigte bisher nur Altana den Rückzug an. Doch weil von den Übrigen niemand Stellung bezieht, steigen die Spekulationen. Französische Unternehmen treten dagegen den Heimweg an.

DÜSSELDORF. Erst prüfen, dann verabschieden. Das ist das Motto vieler deutscher Konzerne, wenn es um einen möglichen Rückzug von der US-Börse geht. Denn der Traum aus alten Boomzeiten, mit Aktien an der New York Stock Exchange (Nyse) oder der High-Tech-Börse Nasdaq die Welt zu erobern, hat an Kraft verloren. Eine Handelsblatt-Umfrage offenbart zwei Lager: Eine Gruppe um den Softwarespezialisten SAP hat viele gute Gründe, an ihrer Aktiennotierung in New York festzuhalten. Andere wie der Chemiekonzern BASF äußern sich verhaltener und halten sich den Abschied offen.

Auslöser sind die Beschlüsse der US-Börsenaufsicht SEC, den Rückzug ausländischer Unternehmen zu erleichtern. Die Firmen können künftig ihre Registrierung bei der SEC zurückziehen, wenn ihr US-Anteil am täglichen Aktienhandelsvolumen unter fünf Prozent liegt. Bisher war ein Exodus praktisch unmöglich, weshalb der Finanzplatz bei Ausländern immer unbeliebter wurde. Die Notierung kostet Geld und birgt Haftungsrisiken bei Schadensersatzklagen.

Von den 18 an der Nyse und Nasdaq gelisteten deutschen Firmen kündigte allein der Chemiekonzern Altana an, seine Notierung zu beenden. Nach dem Verkauf der bedeutenden Pharma-Sparte sieht Altana keinen Sinn mehr an der Präsenz. SGL Carbon hatte bereits vor zwei Jahren zum Rückzug geblasen. Der Grafithersteller wähnt sich fast am Ziel.

Die übrigen hegen offiziell keine Rückzugsgedanken. Finanzmarktexperten geben aber zu bedenken, dass solch eine Ankündigung Ad-hoc-pflichtig ist. „Wir gehen davon aus dass einige deutsche Unternehmen gehen wollen und werden“, sagt Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut: „Wer jetzt nicht prüft, wird seiner Verantwortung gegenüber den Aktionären nicht gerecht.“ SGL beziffert die Kosten auf jährlich drei Mill. Euro. Bei Dax-Konzernen sind es mindestens fünf Mill. Euro.

Mögliche Abschiedskandidaten sind Allianz, BASF, Deutsche Telekom und Siemens. Gerade weil keiner von ihnen klar Stellung bezieht, steigen die Spekulationen. Der Versicherungsriese begrüßt gegenüber dem Handelsblatt die „nun geplanten Vereinfachungen“ und plant „derzeit keinen Rückzug von der Nyse“. BASF will „prüfen, ob und inwieweit die neuen SEC-Regeln für uns neue Handlungsoptionen eröffnen“. Ähnlich äußert sich die Telekom. Bei Siemens steht ein Rückzug „aktuell nicht auf der Agenda“. Dazu könnte es angesichts eines US-Handelsvolumens von nur sechs Prozent aber rasch kommen. An Spekulationen, was bei einer Unterschreitung der Fünf-Prozent-Hürde wäre, will sich Siemens nicht beteiligen.

Als vor gut zehn Jahren die ersten deutschen Unternehmen an die größte Börse der Welt strebten, versprachen sie sich mehr Kunden und Investoren. Inzwischen dominiert die Einschätzung, dass dafür eine Notierung nicht wichtig ist. Die meisten Anleger handeln Aktien an der Heimatbörse der Firmen, weil es dort dank hoher Liquidität die fairsten Preise gibt. Nur selten gelang es, die Vorteile einer US-Notierung ausschöpfen: Die Deutsche Telekom bezahlte Voicestream mit eigenen Aktien. Die Regel sind Bar-Übernahmen wie die des Katalysatorenherstellers Engelhard durch BASF. Dafür nutzt die US-Präsenz nicht.

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