Börse Inside
US-Investoren fordern Börsenreform

Doe New Yorker Börse soll ihre Regulierungsrolle aufgeben, fordern Schatzmeister mehrerer Bundesstaaten.

tmo/WSJ NEW YORK. Eine mächtige Investorengruppe hat gestern weit reichende Reformen von der New Yorker Börse (NYSE) gefordert. Die Schatzmeister mehrerer Bundesstaaten verlangen, dass der weltgrößte Aktienmarkt künftig seine Regulierungsaufgabe vom Handelsgeschäft trennt. Außerdem wollen sie den Börsen-Aufsichtsrat weitgehend neu besetzen.

„Nach dem jüngsten Skandal kommt es überhaupt nicht in Frage, dass die NYSE sich weiter selbst kontrolliert“, sagte Richard Moore, Schatzmeister von North Carolina, gestern dem Fernsehsender CNBC. Die Handelsüberwachung der NYSE gilt als schwach im Vergleich zu anderen Regulierungsstellen wie der US-Finanzaufsicht SEC und der Händlerorganisation NASD.

Vergangene Woche hatte Moore sich in den Streit um das 187,5 Mill. $ schwere Gehaltspaket von Ex-NYSE-Chef Richard Grasso eingemischt. Gemeinsam mit dem kalifornischen und dem New Yorker Schatzmeister forderte er Grassos Entlassung. Einen Tag später zwang der NYSE-Aufsichtsrat Grasso zum Rücktritt.

Die Stimme der „State Treasurer“ hat Gewicht, weil sie die Pensionsfonds ihrer Bundesstaaten kontrollieren. Deren Vermögen übertrifft 600 Mrd. $. „Fast jeder vierte Dollar, der an der NYSE umgesetzt wird, gehört uns“, unterstrich Moore. Die Schatzmeister von Kalifornien, New York, North Carolina, Iowa und Kentucky sprachen gestern vor dem Corporate-Governance-Ausschuss der NYSE. Dieses Gremium erarbeitet einen Reformplan für die 211 Jahre alte Börse.

Mehrere Treasurer kündigten an, sie würden eine Trennung der Ämter Chairman (Aufsichtsratschef) und Chief Executive Officer (Vorstandsvorsitzender) fordern. Grasso übte beide Funktionen aus, wie bei den meisten US-Unternehmen üblich. Zudem verlangten die Investoren mehr Informationen über Pläne, die NYSE selbst an die Börse zu bringen. „Wir werden die Füße der NYSE-Manager weiter ins Feuer halten, um eine Reform zu erreichen“, sagte Jonathon Miller, Schatzmeister von Kentucky. Die Gruppe fordert zudem, dass sie künftig mindestens einen Vertreter im NYSE-Board stellt. Mehr als die Hälfte des Boards besteht derzeit aus Insidern, die bei der NYSE oder bei Mitgliedsunternehmen der Börse arbeiten. Darin sehen Kritiker einen Interessenkonflikt – und einen Mitgrund für die üppige Entlohnung, die das Board dem Ex-Chef Grasso zugestand.

In einem schiefen Licht erschien auch, dass Martin Lipton von der New Yorker Top-Kanzlei Wachtell, einerseits am Reformplan der Börse arbeitete, andererseits Grasso persönlich betreute und dessen Gehaltspaket verteidigte. Lipton ließ seine Beratungsfunktionen bei der NYSE ruhen, nachdem Grasso gehen musste.

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