US-Notenbank
Auf Messers Schneide

Die Ankündigung der Fed, weiterhin Staatsanleihen zu kaufen, sorgte weltweit für Verwerfungen an den Börsen. Berichte zeigen: Die Entscheidung stand auf Messers Schneide, eine Reduzierung ist doch im Oktober möglich.
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Die Märkte spielten verrückt, als die US-Notenbank Federal Reserve verkündete, weiterhin US-Staatsanleihen und Immobilienpapiere im Wert von 85 Milliarden zu kaufen. Nun fragen sich Anleger, wie lange diese Entscheidung Bestand hat. Die US-Notenbank könnte nach den Worten von Fed-Mitglied James Bullard ihre Anleihekäufe bereits im Oktober etwas zurückfahren. Bei der Sitzung des Offenmarktausschusses vergangene Woche habe die Beibehaltung des Kaufvolumens auf Messers Schneide gestanden.

„Es war eine knappe Entscheidung“, nachdem „schwächere Daten hereingekommen waren“, sagte der Präsident der Federal Reserve Bank of St. Louis im Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er verfügt dieses Jahr im Offenmarktausschuss über ein Stimmrecht. „Der Ausschuss kam überein: 'lasst uns abwarten'.“

Die US-Notenbank hatte vergangene Woche davon abgesehen, ihre Anleihekäufe im Umfang von monatlich 85 Milliarden Dollar zu reduzieren. Die Währungshüter wollen zuerst mehr Hinweise auf ein nachhaltiges Stellenwachstum sehen. Federal-Reserve-Chairman Ben Bernanke sagte am 18. September, dass die Entscheidung über die Bondkäufe letztlich davon abhänge, „was für die Wirtschaft notwendig ist“.

Bullard hält eine Rücknahme der quantitativen Lockerung im kommenden Monat für möglich. Die bis dahin eingehenden Daten könnten „dem Ausblick eine andere Note“ verleihen, so dass es dem Ausschuss leichter fallen könnte, einen „kleinen Rückbau im Oktober“ zu beschließen.

Die nächste FOMC-Sitzung findet am 29. und 30. Oktober statt. Der Präsident der St.-Louis-Fed verwies darauf, dass bis dahin der Arbeitsmarktbericht für September sowie die Revisionen der Vormonate vorliegen, ebenso wie neue Daten vom Häusermarkt.

An den Märkten wurde bereits bei der jüngsten Sitzung eine Verringerung des Kaufvolumens erwartet. Daher traf die Fed- Entscheidung viele Anleger unvorbereitet. „Ich bin ein wenig bestürzt über all jene an den Märkten, die sagen, dass sie überrascht wurden“, sagte Bullard. Schließlich hätten die Fed- Mitglieder immer wieder betont, dass die Bondkauf-Reduzierung „datenabhängig“ sei.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • "Der Sparer erzeugt mehr Ware, als er selbst kauft, und der Überschuß wird von den Unternehmern mit dem Geld der Sparkassen gekauft und zu neuen Realkapitalien verarbeitet. Aber die Sparer geben das Geld nicht her ohne Zins, und die Unternehmer können keinen Zins bezahlen, wenn das, was sie bauen, nicht wenigstens den gleichen Zins einbringt, den die Sparer fordern. Wird aber eine Zeitlang an der Vermehrung der Häuser, Werkstätten, Schiffe usw. gearbeitet, so fällt naturgemäß der Zins dieser Dinge. Dann können die Unternehmer den von den Sparern geforderten Zins nicht zahlen. Das Geld bleibt in den Sparkassen liegen, und da gerade mit diesem Geld die Warenüberschüsse der Sparer gekauft werden, so fehlt für diese jetzt der Absatz, und die Preise gehen zurück. Die Krise ist da."

    (aus "Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld", 1916)

    20 Jahre später bezeichnete der "Jahrhundertökonom" J. M. Keynes in seiner "Allgemeinen Theorie (der Beschäftigung der Politik)" dieses Phänomen, das sich zwangsläufig aus der Verwendung von hortbarem Geld mit Wertaufbewahrungs(un)funktion (Zinsgeld) ergibt, als "Liquiditätsfalle" – und beschrieb zwei Mittel, um sie hinauszuzögern: Erhöhung der Staatsverschuldung mit Ausgabe des Geldes für Projekte, die den Zinsfuß nicht senken (Löcher graben und wieder zuschaufeln, Kriegsrüstung, etc.), und Geldmengenausweitung.

    Um aus der Liquiditätsfalle herauszukommen, muss eine umfassende Sachkapitalzerstörung den Zinsfuß anheben. Diese früher sehr beliebte "Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln" konnte jedoch nur solange der "Vater aller Dinge" sein, wie es noch keine Atomwaffen gab!

    Was nun?

    Silvio Gesell: "Wer es vorzieht, seinen eigenen Kopf etwas anzustrengen, statt fremde Köpfe einzuschlagen, der studiere das Geldwesen" (und nicht die ganz hohe Kunst, das Geld NICHT zu verstehen):

    http://opium-des-volkes.blogspot.de/2013/01/geldtheorie.html

  • Zitat aus diesem Artikel:
    "An den Märkten wurde bereits bei der jüngsten Sitzung eine Verringerung des Kaufvolumens erwartet. Daher traf die Fed- Entscheidung viele Anleger unvorbereitet. „Ich bin ein wenig bestürzt über all jene an den Märkten, die sagen, dass sie überrascht wurden“, sagte Bullard. Schließlich hätten die Fed- Mitglieder immer wieder betont, dass die Bondkauf-Reduzierung „datenabhängig“ sei."

    Das HB hat auch immer wieder eine Anleihekauf-Reduzierung ins Spiel gebracht und sich dann "überrascht" gezeigt. Auch mal an die eigene Nase fassen!!!!

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