USA blasen Citigroup-Ausstieg ab
„Ein fürchterlicher Deal für die Aktionäre“

Zur Vermeidung eines Verlustgeschäftes hat die US-Regierung in letzter Sekunde den geplanten Verkauf von Citigroup-Anteilen im Wert von fünf Milliarden Dollar abgeblasen.
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HB NEW YORK. Zur Vermeidung eines Verlustgeschäftes hat die US-Regierung in letzter Sekunde den geplanten Verkauf von Citigroup-Anteilen im Wert von fünf Milliarden Dollar abgeblasen. Grund ist die Bauchlandung des Instituts bei seiner gigantischen Kapitalerhöhung über insgesamt 20 Milliarden Dollar: Die Bank musste ihre Aktien mit einem unerwartet hohen Rabatt anbieten, um Käufer zu finden. Mit den Einnahmen aus der Kapitalerhöhung will die Citigroup Regierungshilfen zurückzahlen, um etwa die strengen Boni-Regeln abzustreifen.

Börsianer waren entsetzt über das geringe Interesse der Anleger an Citigroup-Papieren und warfen dem Management gravierende Fehler vor. Die in Frankfurt gehandelten Papiere des Konzerns stürzten am Donnerstag um mehr als acht Prozent ab und belasteten auch den Gesamtmarkt. Auch an der Wall Street eröffnete das Papier mit einem Abschlag von mehr als acht Prozent.

"Eine Katastrophe", resümierte William Smith von Smith Asset Management. Sean Egan von der Rating-Agentur Egan-Jones Capital empörte sich: "Es ist ein fantastischer Deal für die Citigroup-Manager, die jetzt mehr Geld bekommen können, und ein fürchterlicher Deal für die Aktionäre. Die Firma zahlt einen riesigen Preis für dieses Kapital."

Die Großbank brachte ihre Anteile bei der Kapitalerhöhung für 3,15 Dollar unter die Leute und damit 10 Cent unter dem Preis, zu dem der Staat vor wenigen Monaten eingestiegen war.

Das Finanzministerium sei nicht bereit, mit Verlust zu verkaufen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. Deshalb entschied sich die Regierung anders als ursprünglich geplant, keine Dividendenpapiere parallel zur Kapitalerhöhung der Citigroup zu verkaufen. Grundsätzlich halte sie jedoch weiter an dem Plan fest, ihren Anteil von 34 Prozent an dem Institut in den nächsten sechs bis zwölf Monaten abzustoßen. Der Preis von 3,15 Dollar liegt 20 Prozent unter dem Citi-Schlusskurs vom Freitag - vor Ankündigung der Kapitalerhöhung.

Branchenexperten erklärten die geringe Nachfrage mit den riesigen Kapitalerhöhungen der anderen Institute, die ebenfalls Regierungshilfen zurückzahlen wollen, und warfen der Citigroup deshalb schlechtes Timing vor. Wells Fargo verkaufte erst am Dienstag 12,25 Milliarden Aktien mit einem Rabatt von lediglich zwei Prozent. "Es gibt so viele große Aktienverkäufe diese Woche, dass die Investoren selektiver werden", sagte Aktienanalyst Joe Plevelich von Schneider Capital Management. "Wenn Citi die einzige Anbieterin diese Woche gewesen wäre, wäre das Interesse möglicherweise größer gewesen."

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