Veba als Lehrbeispiel
Ein Volk macht in Aktien

Wenn der Staat Geld braucht, verkauft er Vermögen als Volksaktien. Rabatte für Kleinanleger verheißen das leichte Geld. Aber so funktioniert die Börse nicht.

HB DÜSSELDORF. „Mein letztes Taschengeld kratzte ich zusammen, und Vater gab ordentlich was dazu. Er wollte nicht, dass ich alles in Klamotten investiere“, erinnert sich Ute Giro. Als 22-Jährige hörte die heutige Mitarbeiterin einer Münchener Vermögensverwaltung auf den Rat ihres großzügigen Vaters, orderte fünf Aktien und wurde eine von 2,6 Millionen glücklichen deutschen Anteilseignern. Der Rest ist Geschichte.

Aber welche? Nein, die junge Frau erstand keine Telekom-Aktien. Aber es gibt Parallelen: Der Staat versilbert Staatsbesitz und bietet Privatanlegern Anteilsscheine mit Rabatt. Das Wort von der Volksaktie macht die Runde, und ein ganzes Volk macht in Aktien. Die Gier nach dem schnellem Geld ist Thema der Stammtische und der Boulevard-Zeitungen. Und: Auf die Euphorie folgt rasch der Kater. 40 Jahre ist das jetzt her.

1965 schickt der deutsche Staat seine Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks AG, kurz Veba, an die Börse. Beide, Staat und Veba – der Telekommunikations- und Stromriese fusionierte vor fünf Jahren mit Viag zum Energieriesen Eon – brauchen in den Sechzigern dringend Geld. Der Mischkonzern ist damals so etwas wie eine staatliche Investmentgesellschaft mit einem Portefeuille aus Handel, Schifffahrt, Verkehr und Zechen.

Frisches Geld neuer Aktionäre sollen nun die maroden Stromnetze und Kohlezechen modernisieren helfen. Die Idee war, 49 Prozent der im Frühjahr 1929 gegründeten Veba zu privatisieren. Schon damals hatte Preußen auf dem Gipfel des Aktienbooms seine Bergwerksaktivitäten teuer an die Börse bringen wollen. Doch der „Schwarze Freitag“ am 25. Oktober 1929 durchkreuzte dieses Vorhaben.

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