Verdacht auf Insiderhandel
BaFin zeigt Immobilienkonzern Gagfah an

Der Verdacht auf Insiderhandel beim Wohnungskonzern Gagfah hat sich nach Meinung der Bafin erhärtet, die Finanzaufsicht hat bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet. Für Gagfah-Chef William Brennan wird es jetzt eng.
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DüsseldorfDie Finanzaufsicht Bafin sieht sich in ihrem Verdacht auf Insiderhandel beim Wohnungskonzern Gagfah bestätigt. Ein Bafin-Sprecher sagte am Donnerstag, die Behörde habe ihre förmliche Untersuchung Ende August abgeschlossen und danach Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf erstattet. Diese sei nun Herrin des Verfahrens. Gagfah war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Zuvor hatte auch das „ARD“-Magazin „Monitor“ von der Anzeige berichtet.

Gagfah-Chef William Joseph Brennan hatte Anfang Februar Aktien seines Unternehmens im Wert von 4,7 Millionen Euro verkauft. Die im MDax notierte Gagfah-Aktie kostete zu der Zeit noch 7,50 Euro. Vier Wochen später ging der Kurs jedoch in den Sinkflug über. Anlass waren schwere Vorwürfe der Stadt Dresden gegen Deutschlands größten Wohnimmobilienkonzern. Dresden hatte im Jahr 2009 seine Wohnungsbaugesellschaft Woba an die Gagfah veräußert. Der Privatisierungsvertrag sah umfangreiche Mieterschutzrechte vor, die die Gagfah nach Auffassung der Stadt missachtet hat. Anfang September erklärte Dresden, dass es deshalb eine Millionenklage gegen den Konzern erwäge. Nachdem der Stadtrat dieser zugestimmt hatte, reichte die Stadt die Klage Ende März ein.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Brennan aber längst Ärger an anderer Front. Denn sein Aktienverkauf im Februar weckte in der Bafin den Verdacht, dass er rechtzeitig seine Schäfchen ins Trockene bringen wollte. Brennan wies die Vorwürfe stets zurück. Wie die Gagfah dem Handelsblatt im Frühjahr auf Anfrage bestätigte, wusste er zwar seit 2009, dass die Stadt Dresden prüft, ob die Gagfah die sogenannte Sozialcharta eingehalten hat. Die Stadt habe jedoch nicht erkennen lassen, dass sie Forderungen in erheblicher Größenordnung geltend machen würde. Davon habe das Unternehmen erst kurz vor dem 4. März erfahren.

Der Streit in Dresden und Probleme bei Finanzierungsgesprächen mit den Banken haben die Gagfah-Aktien seit März tief gedrückt. Zwischenzeitlich rutschte der Kurs bis auf ein Tief bei 3,62 Euro. Erst zuletzt erholte er sich etwas, nachdem die Gagfah den Verkauf eines Immobilienpakets im Wert von rund 330 Millionen Euro an den Konkurrenten GSW Immobilien ankündigte. Auf die Klageankündigung der Bafin reagierte das Gagfah-Papier mit Verlusten. Die Aktie verlor in einem positiven Marktumfeld rund 2,5 Prozent auf 4,53 Euro.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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