Vergabe der Parkettarbeitsplätze
Deutsche Börse hofft auf günstigen Richterspruch

Im Streit über die Vergabe der Parkettarbeitsplätze in Frankfurt ist die Börse auf die Makler zugegangen. Ein Makler hatte geklagt, weil er bei der Vergabe der Betreuermandate nach Leistungskriterien leer ausgegangen war. Nun werden die Parkettarbeitsplätze unter Vorbehalt an alle Makler neu verteilt.

FRANKFURT. Jeder der 21 Makler werde rund zwei Prozent der Betreuermandate (Skontren) für Wertpapiere am Parkett erhalten, beschloss am gestrigen Dienstag der Börsenrat in Frankfurt. Der Rest der lukrativen Mandate wird weiterhin nach den umstrittenen Leistungskriterien vergeben. Der Börsenrat ist das höchste Gremium der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB), die von der Deutschen Börse AG betrieben wird.

Der Makler Renell war bei der Vergabe der Skontren ausschließlich nach Leistungskriterien leer ausgegangen. Er hatte geklagt und beim Verwaltungsgericht Recht bekommen. Die Börse bekam eine Frist gesetzt, die Verteilung bis zum 26. März neu vorzunehmen. Anderenfalls drohte eine Schließung des Parketts. Die FWB ist Renell nun entgegengekommen. Gleichzeitig hat sie Beschwerde gegen den Richterspruch beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) eingelegt. Sollte der VGH dieser stattgeben und den vorinstanzlichen Entscheid vor dem 26. März revidieren, will die FWB zur rein leistungsbezogenen Verteilung zurückkehren.

Hinter dem Streit stehen zwei langfristige Entwicklungen im deutschen Börsenwesen. Zum einen ist die Bedeutung der Makler im Börsenhandel immer weiter zurückgegangen. Die einstmals wichtigsten Akteure sind mittlerweile fast nur noch Dienstleister der Börse.

Die Börsen selbst stehen zunehmend im Wettbewerb miteinander um Orders. Verschärft wird dies durch neues EU-Recht, das die Oder-Ausführung auf alternativen Handelsplattformen regelt. Daher versuchen die Börsen, die Leistung ihrer Makler – vor allem die Geschwindigkeit bei der Orderausführung – zu kontrollieren. Frankfurt setzt dabei auf mehrere Makler, die im öffentlich-rechtlichen Teil der Börse operieren und kontrolliert werden müssen. Stuttgart dagegen hat den wichtigen Derivatehandel in eine privatrechtliche Form übergeführt und daher einfacheren Zugriff auf die Zahl der Makler. Vor diesem Modell schreckt Frankfurt nach Aussagen aus Finanzkreisen noch zurück, weil es eine jahrelange Vorbereitungszeit benötige.

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