Vermögensverwalter
Ein Querdenker greift an

Kenneth L. Fisher lächelt nicht gerne. Muss er auch nicht. Schließlich ist er mit geschätzten 1,3 Mrd. Dollar an Privatvermögen einer der reichsten Amerikaner. Er gilt als einer der einflussreichsten Investoren. Der Vermögensverwalter ist Querdenker – besonders bei der Beurteilung der Kapitalmärkte. Fondshäusern wirft er Gebührenschinderei und Trendreiterei vor.

FRANKFURT. Fisher greift unverdrossen seine Konkurrenten an, schreibt neue Anlagebücher und hat obendrein eine wichtige Messgröße für die Aktienbewertung entwickelt: das Kurs-Umsatz-Verhältnis. Vielleicht liegt es an der strapaziösen Tour durch Europa, dass er ein wenig Zeit braucht um aufzutauen. Dann beginnt er zu erzählen, über eine Erfolgsstory, die in Deutschland kaum jemand kennt. Der 56-Jährige gründete vor fast drei Jahrzehnten seine eigene Vermögensverwaltung in Woodside, Kalifornien, zwischen Pazifischen Ozean und Silicon Valley. Der Ausblick ist weniger entscheidend als das rasante Wachstum seiner Firma: Fisher betreute vor zehn Jahren nur wenig mehr als eine Milliarde Dollar; heute verwalten seine 915 Mitarbeiter rund 36 Mrd. Dollar.

„Wir kümmern uns vor allem um gut verdienende Private“, sagt Fisher. Rund zwei Drittel der Gelder kommen von vermögenden Kunden; der Rest entfällt auf institutionelle Adressen wie Pensionsfonds. Zur Kontaktanbahnung setzt er praktisch alle Mittel ein: Anzeigen, Direktmarketing, Werbung per Radio, Fernsehen und Internet. „So etwas wäre in Deutschland fast undenkbar“, sagt er. Für das Fernsehen hat er sogar ein 30-minütiges „Infomercial“ drehen lassen.

Fast nichts macht er so wie andere Anlagehäuser. Jedes Jahr lädt er seine Kunden zum zwanglosen Essen ein, ohne dass Firmenvertreter anwesend sind. „Die Leute lieben das“, sagt er und lächelt das erste Mal. Fisher ist stolz darauf, pro Jahr nur weniger als fünf Prozent seiner Kunden zu verlieren. „Bei den großen Brokern liegt die Abgangsquote zwischen 20 und 30 Prozent“, sagt er und nennt auch gleich Beispiele, darunter Merrill Lynch, Bear Stearns und UBS.

Der Amerikaner scheint die Auseinandersetzung mit der Konkurrenz geradezu zu suchen, denn angesprochen auf die aktuellen Investmenttrends überschüttet er seine Branchenkollegen mit Kritik. „Die meisten Anbieter arbeiten nur umsatzgetrieben und üben sich bei ihren themengetriebenen Produktauflagen in Gebührenschinderei“, sagt er.

Das derzeit wohl populärste Anlagethema setzt er ganz oben auf die Abschussliste: den Klimawandel. „Möglicherweise ist die globale Erwärmung real, hat aber vielleicht gar nichts mit menschlichen Einflüssen zu tun“, sagt der Querdenker. „Dann werden diese ganzen neuen Klimaprodukte und Ökoanlagen so enden wie die Internetfonds vor sieben Jahren.“ Er hat keinen Zweifel daran, dass er mit seinen Einschätzungen Recht behalten wird.

In der Vermögensbetreuung setzt Fisher auf gemischte Depots mit einem deutlich höheren Aktienanteil als bei vielen Konkurrenten üblich. Damit fühlt er sich pudelwohl. Fisher liebt die Kontrastprogramme: Er kämpft gegen die eigene Branche und das Klimathema. Bei der Beurteilung der Börse hingegen ist er hoffnungsvoller als seine ohnehin berufsoptimistischen Kollegen. „Seit ein paar Jahren sind Aktien billiger als sie in den vergangenen 30 Jahren jemals waren“, sagt er. Deshalb glaubt Fisher auch, dass die Börsen in der Jahresbilanz 2007 „mit bis zu 40 Prozent Plus“ wieder hervorragend abschneiden werden.

Er vergleicht die langfristigen Anleihezinsen mit dem umgekehrten Kurs-Gewinn-Verhältnis für Aktien – die Zinsen liegen weit tiefer. Das heißt für ihn: „Firmen können billig Geld aufnehmen, um Übernahmen zu finanzieren oder eigene Aktien zurückzukaufen.“ Hier wittert er die Basis künftiger Börsengewinne.

Auch die viel besprochene Hypothekenkrise in den USA macht ihm keine Angst. „Es ist wie bei Paris Hilton; sie bekommt viel Medienaufmerksamkeit, aber es steckt nichts dahinter“, sagt der Vermögensverwalter. Fisher sieht keine Krise. Angesprochen auf die erste Aktie, die er in seinem Leben gekauft hat, räumt er ein: Es war eine Immobilienaktie. Die Firma ging bankrott.

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