Versicherer
Allianz will Aktie retten

Europas größter Versicherer sorgt sich um die Aktie und die Nachfrage nach Eigenkapital in der Finanzkrise. Um neue Kapitalquellen zu erschließen, fordert die Allianz mehr Anlegerschutz und Steuererleichterungen. Während die Pläne in der Politik auf Ablehnung stoßen, signalisiert die Geldanlagebranche Zustimmung.

BERLIN/MÜNCHEN/FRANKFURT. Die Allianz unter Vorstand Michael Diekmann fordert in ihrem Maßnahmenkatalog mehr Anlegerschutz und Steuererleichterungen (siehe "Wunschkatalog"). Sie stößt damit bei Politikern auf Ablehnung, in der Geldanlagebranche jedoch auf Zustimmung.

Unions-Fraktionsvize Michael Meister (CDU) zeigte sich überrascht über die Forderungen des Allianz-Konzerns. "Vorstände und Aufsichtsräte sollten selbst mehr Verantwortung und Transparenz beim Thema Aktienkultur zeigen, statt auf die Politik zu zeigen", sagte Meister dem Handelsblatt. Bezogen auf die steuerlichen Rahmenbedingungen sei Deutschland international wettbewerbsfähig. Eine Senkung der Abgeltungssteuer für Privataktionäre sei deshalb nicht erforderlich, sagte Meister weiter.

Die Allianz hatte in der vergangenen Woche in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Alarm geschlagen. Der Versicherungskonzern, einer der weltgrößten Anleger, befürchtet, dass die Aktienkultur im derzeit hitzigen Wahlkampfklima weiteren Schaden nimmt. Der Anteil der direkten Aktienbesitzer in der Bevölkerung habe sich seit dem Jahr 2000 auf nur noch gut fünf Prozent nahezu halbiert.

Der Schritt der Allianz, der mit einer ganzen Reihe von konkreten Forderungen verknüpft ist, ist ungewöhnlich. Üblicherweise betreiben die Finanzkonzerne ihre politische Arbeit eher dezent im Hintergrund. Allerdings sieht der Versicherer den Wirtschaftsstandort in Gefahr. Die Unternehmen könnten sich wegen der besorgniserregenden Entwicklung schwerer neues Eigenkapital besorgen - was gerade in Zeiten knapper Kredite schlecht sei. Zudem würden private Verbraucher "in ihren Möglichkeiten zur langfristigen privaten Altersvorsorge stark eingeschränkt."

Durch eine Reihe von Erleichterungen für Anleger will die Allianz die Aktienquote nach oben treiben. "In Deutschland nutzen noch immer viel zu wenige Anleger die Chancen der Aktienmärkte", sagt auch Fidelity-Deutschlandchef Christian Wrede. Um das zu ändern, müssen Aktien steuerlich attraktiver gemacht werden, unterstreicht Allianz-Vorstand Joachim Faber gegenüber dem Handelsblatt (siehe "Vier Fragen an").

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