Verstaatlichung von Pensionsfonds
Argentinien beerdigt die Börse

Die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner lässt die privaten Pensionskassen verstaatlichen. Damit fließen Milliarden in das staatliche Rentensystem. Für die Börse und den argentinischen Kapitalmarkt ist die Maßnahme eine Katastrophe.

SÃO PAULO. Stilvoll geht die Welt zugrunde: In der Börse Buenos Aires, einem Straßenblock großen Gebäude, findet der Alltag statt, als sei nichts gewesen. Der mächtige Bau mit dem Louis-seize Klassizismus wurde 1916 eingeweiht, als Argentinien eine wirtschaftliche Weltmacht war. Viele Familien der 62 Mitglieder des heutigen Börsenrats waren damals schon im Rat vertreten. Es ist das Who's Who der argentinischen Finanz- und Wirtschaftselite. Der Börsenrat ist stolz auf seine demokratische Tradition: Doch Demokratie hin, Demokratie her - der Rat konnte nicht verhindern, dass die Regierung der Börse gerade den Todesstoß versetzt hat.

Der Senat winkte den Gesetzesvorschlag der Präsidentin Cristina Kirchner durch, die privaten Pensionskassen zu verstaatlichen. Damit fließen in Kürze Aktiva in Höhe von 24 Mrd. Dollar in das staatliche Rentensystem. Auch die jährlichen Einzahlungen von rund fünf Milliarden Dollar gehen nun an den Staat, nicht mehr an die privaten Fondsverwalter.

Warum die Verstaatlichung? Um die Beiträge der Rentner zu retten, sagt die Präsidentin. Um die Schulden bezahlen zu können, vermuten die meisten Argentinier. Für die Börse und den argentinischen Kapitalmarkt ist die Maßnahme eine Katastrophe: Die elf privaten argentinischen Pensionskassen haben rund ein Zehntel ihrer Einlagen in Aktien investiert und 55 Prozent in Staatsbonds.

Sie sind in Argentiniens Wirtschaft die führenden langfristigen Kreditgeber. Während der Börsencrashs im September zogen auch in Buenos Aires die privaten Investoren ihr Kapital ab. Die einzigen, die trotz der Krise noch zukauften und die Kurse stabilisierten, waren die Pensionsfonds. "Sie sind die einzigen Liquiditätsquellen für Börse, Bondmärkte und Kredit", sagt der Südamerika-Experte Walter Molano von BCP, "die Regierung hat den Kapitalmarkt Argentiniens zerstört."

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